Iran: Da bleibt einem doch die Luft weg

Das Leben des Landfahrers ist schön. Gemütlich tuckern wir in langsamer Geschwindigkeit, mehr wäre mit unserem „Schneggsche“ in dieser bergigen Landschaft auch nicht möglich, durch die schöne Bergwelt nördlich der Hauptroute der Seidenstraße. Das heutige Ziel sind die Sinterterrassen Badab-e-Surt. Die Augen schweifen umher, genießen den Anblick der farbigen Berge. Nur ab und an schweift der Blick auf die Temperaturanzeige des LKW, bewegt sich die Nadel doch sehr dicht am roten Bereich. Unser „Schneggsche“ muss viel arbeiten um die über 8 Tonnen Reisegewicht hier die Berge hoch zu schleppen. Die Sorgenfalten werden tiefer, als die Nadel sich dann engültig im roten Bereich festsetzt, kein Wunder bei über 30° Außentemperatur trotz mehr als 2300m Höhe. Mal wieder den Blick über die Landschaft schweifen lassen. Dann reißt uns ein gemeines, lautes, platzendes Geräusch zurück in die Realität. Mein erster Gedanke: Ein Schlauch des Kühlsystems ist geplatzt. Doch wieso steht der Druckanzeiger des einen Bremskreises (LKWs haben Druckluftbremsen) auf Null!?!?! Als ich Anhalten will und dazu die Bremse betätige, passiert nicht wirklich viel.

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Das corpus delicti. Zum Glück war es nichts Schlimmeres.

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Iran: Von Tehran auf der Seidenstraße nach Osten

Nun sind wir endlich auf der Hauptroute der Seidenstraße angekommen.

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Man darf sich die Seidenstraße nicht im wörtlichen Sinne als eine Straße vorstellen. Vielmehr war es ein Netz von Handelsrouten, auf denen Handelswaren aus dem Osten, in erster Linie China, in die reichen Städte am Mittelmeer transportiert wurden. Die Ware wurde auch nicht von einem „Spediteur“ den ganzen Weg transportiert, sondern die Karawanen zogen zur nächsten größeren Stadt, dort wurde die Ware verkauft und von anderen Händler weiter transportiert. Auch in andere Gegenden der durchzogenen Ländern, so entstand ein ganzes Netz von Handelsrouten. An einigen Stellen waren jedoch bedingt durch die zu durchquerenden Landschaften, keine alternativen Routen möglich. So hier im Iran vom heutigen Tehran (das damals noch keine Bedeutung hatte, sondern die unweit gelegene Königsstadt Rey, nach Osten Richtung der heiligen Stadt Mashhad und weiter nach Samarkand im heutigen Usbekistan. Nördlich begrenzt durch die unbezwingbaren Höhenzüge des Elburzgebirges (mit dem über 5000m hohen Damavand als „Hausberg“ Tehrans), südlich durch die lebensfeindlichen Salz-, Stein- und Sandwüsten Dasht-e-Kavir und Dasht-e-Lut (hier wurde die jemals höchte Temparatur auf Erden gemessen), blieb den Karawanen nur ein schmaler Streifen, der durch den nördlichen Gebirgszug navigatorisch auch noch einfach zu durchwandern war. Überbleibsel dieser Handelsrouten sind Karawansereien, die „Motels“ der damaligen Zeit. Rast- und Übernachtungsplatz für die Karawanen, boten sie Wasser, Nahrung und Schutz vor Überfällen, sowie dem erbamungslosen Wind, den wir auch schon „genießen“ durften. Es gibt noch viele Karawansereien in ganz unterschiedlichem Zustand zu sehen. Manche restauriert und guterhalten, von anderen, vor allem denen in Lehmbauweise, sind nur noch Reste erhalten. Meist liegen die Bauten in Abständen von rund 20km, was der Länge eines Tagesmarsches entsprach.

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Karawanserei bei Heijib, westlich von Tehran.
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Iran: Der Nordwesten, Provinz Aserbaidschan

Ja was denn nun: Iran oder Aserbaidschan? Nun beides. Auch wir mussten hier erstmal einen Überblick gewinnen. Der Nordwesten des Irans war eigentlich mal Aserbaidschan. Die meisten Bewohner sind turkstämmig, nicht persisch. Zu der unterschiedlichen Abstammung kommt, dass die Turkstaaten sunnitsch, der Iran aber schiitisch ist, was die Situation nicht einfacher macht. Hier zeigt sich wieder einmal der unselige Eingriff der ehemaligen Welt- und Kolonialmächte, die Ländergrenzen auf dem Reißbrett festlegten… Aber kommen wir zu den schönen Dingen in diesem Landstrich. Da auch Armenien nicht weit entfernt ist, haben auch die christlichen Armenier hier ihre Spuren hinterlassen. Ein wichtiges armenisches Kloster in der Region ist das Thaddäus-Kloster. Im Abendlicht schön anzusehen.

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Iran: Einreise, Tabriz und Gastfreundschaft

Also nun der Iran. Was haben wir uns vor der Reise nicht alles anhören müssen. Iran. Da kann man doch nicht hinfahren! Unmöglich! Von anderen Reisenden jedoch, die das Land schon besucht hatten, haben wir nur Positives gehört. Viele sprachen davon, dass sie hier die freundlichsten Menschen überhaupt getroffen haben.

Also frohen Mutes hin. Natürlich gibt es hier strenge Regeln: Frauen müssen Kopftuch tragen, auch Touristinnen. Einfuhr und Verzehr von Alkohol und Schweinefleisch ist verboten. Vor dem Grenzübergang klopfte das Herz etwas schneller als sonst. Bisher jedoch ohne Grund. Der Grenzübertritt dauerte etwa 90 Minuten. Die Beamten waren sehr freundlich und hilfsbereit und halfen bei der Abwicklung von Reisepässen, Fahrzeugpapieren und dem obligatorischen „Carnet de passage“ (Zolldokument für das Fahrzeug). Eine freundliche Beamtin gab uns sogar eine Visitenkarte mit ihrer email-adresse, falls wir Fragen oder Probleme unterwegs haben. Die Fahrzeugkontrolle war kurz und oberflächlich. Die Frage nach Alkohol haben wir verneint, damit gab man sich zufrieden. Guten Mutes fuhren wir weiter.

Erster größerer Stop war Tabriz, eine Großstadt im Nordwesten des Iran. Hier wollten wir einige Sachen erledigen. Doch zunächst irrten wir über eine Stunde durch den mörderischen Verkehr. Der Vekehr in Istanbul (der geneigte Leser hat den Bericht gelesen) ist Kindergarten gegen die Fahrweise im Iran. Wir haben nach nun fast einer Woche noch immer die Vorfahrtsregeln nicht verstanden. Spielt auch keine Rolle. Jeder fährt wie er will und wann er will. Die meist zweispurigen Richtungsfahrbahnen der Durchgangsstraßen werden in 4 Spuren befahren, die einspurigen eigentlich auch. Der Mut von Fußgängern oder KFZ-Schlossern (Reparaturen werden in der Regel auf der Straße durchgeführt) ist unbescheiblich. Am Straßenrand wird in zweier oder dreier Reihen geparkt und von dort einfach losgefahren, unerheblich ob dahinter jemand kommt. Blinker habe ich nach einer Woche noch keinen gesehen. Hammerhart. Und wir mit zwei LKW mittendrin. Klasse.

Unser Navi schickt uns gleich mal auf eine Straße, die in der Richtung nur von Taxis und Bussen befahren werden darf. Juckt auch keinen, ausser das die Taxen uns auf der Gegenfahrbahn, die eigentlich mit Stangen abgetrennt ist, überholen. Aber die Taxen passen gerade so zwischen den Stangen durch und scheren vor uns wieder ein. Die Hoffnung in der City der 1,6 Millionen-Einwohner-Stadt einen Parkplatz zu finden, erweist sich als Wunschtraum. So machen wir uns auf Richtung Südosten, wo ein großer Park ist (die Iraner machen leidenschaftlich gerne Picnic). Unterwegs sehen wir durch Zufall auf der anderen Straßenseite einen kleinen Park mit Parkplatz. Nach etwas Kurverei kommen wir hin und haben zufällig einen Traveller-Park gefunden, extra für Touristen angelegt. Prima. Glück gehabt.

Allerdings muss man eine Kopie des Ausweises abgeben. Die haben wir leider nicht. Wir fragen den Wächter nach einem Copy-Shop und der schickt uns los: Forty meters. Na prima, dann los. Okay, dass mit den englischen Zahlen muss er noch üben. Fast einen Kilometer lang laufen Achim und ich an kleinen Geschäften vorbei und versuchen bei jedem einen Kopierer durchs Fenster auszumachen. Dann ein Laden mit mehreren Kopierern. Aber leider auseinander gebaut. Hier wird nur repariert. Auch hier wieder: Forty meters. Ohje. Aber diesmal stimmt es. In einem kleinen Kramladen steht ein Kopierer. Nichts wie rein. Und hier beginnt eine wunderbare Geschichte…

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Hier vorne steht der Kopierer in dem vielleicht Acht Quadratmeter großen Laden. Den zweiten dahinter habe ich erst eben beim Einfügen der Fotos in den Bericht bemerkt…

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Links im Bild Babek, unser helfender Engel.

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Durchs wilde Nordostanatolien

Von Trabzon an der Schwarzmeerküste ging es nun landeinwärts Richtung Ostanatolien. Die Straße folgt einer alten Handelsroute, die von Persien ans Schwarze Meer führte. Heute lässt die gut ausgebaute Straße jedoch keine Erinnerungen mehr an ehemalige Karawanen aufkommen.

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Hochzeit an der Schwarzmeerküste und Asphaltfräsen mal anders…

Nachdem wir Istanbul verlassen hatten, sind wir Richtung Schwarzmeerküste gefahren. Der Straßenkarte nach zu urteilen, sah es hier nach einer schönen durchgehenden Küstenstraße aus. Und da wir in den nächsten Monaten eher trockene Gebiete durchreisen, ist doch so eine Küstenstraße durchaus das Richtige. Wir freuten uns also auf hunderte Kilometer interessanter Straße, kleine Fischerdörfer und Straßencafes. Doch irgendwie kam alles anders…

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Istanbul – Metropole am Bosporus

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Byzanz, Konstantinopel, Istanbul. Im Laufe der Jahrtausende führte diese Stadt schon drei Namen. Auch sonst Superlative satt: Istanbul ist die einzige Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt. Hier leben irgendwo zwischen 14 und 18 Millionen Menschen, genauer weiß das keiner. Selbst der „europäische“ Teil, also der Teil, der geografisch in Europa liegt, ist größer, als jede andere europäische Stadt. Istanbul ist – auch für uns – das Tor nach Asien. Nur hier gibt es Brücken über den Bosporus, die Meerenge, die das Mamarameer und Mittelmeer vom schwarzen Meer trennt.

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Auf ins Unbekannte…

Die letzten Wochen vergingen wie im Flug. Tausende Dinge waren noch zu regeln und zu beschaffen. Letzte Baumaßnahmen am LKW standen an, Ölwechsel, Abschmieren und dann das immer lästige Einpacken. Immer wieder die Frage: „Haben wir alles?“ Okay, irgendwas vergisst man immer, aber gerade bei einer solchen Tour sollte es nichts all zu wichtiges sein… Am 31.03.2016 wurde unsere jüngste Tochter 18 Jahre alt. Und so stand noch ein großes Fest ins Haus, welches ja auch einige Vorbereitungen erfordert. So wurde samstags am 02.04. noch kräftig gefeiert, sonntags aufgeräumt und das Auto fertig gemacht. Montags morgens sollte es schließlich los gehen. Es wurde dann doch wieder – wie immer bei uns – später. Erst nachmittags kamen wir los. Aber wer kann auch schon von sich sagen, dass er auf dem Weg nach Ulan Bator noch das Leergut wegbringen musste… 😉

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Zentralasien 2016

Karte Reiseüberblick Planung Zentralasien-Tour 2016/2017

© mapz.com – Map Data: OpenStreetMap ODbL. www.mapz.com

Seidenstraße – Mongolei – Sibirien

Geplante Reiseroute: Saarland, Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland, Mongolei, Russland, (Kasachstan, Russland,) Georgien, Aserbaidschan, Armenien, Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Österreich, Deutschland, Saarland


„ufftour“ in Zentralasien 2016/2017

Die Saarbrücker Zeitung berichtet über unsere Reise

Auf ins Unbekannte


Istanbul – Metropole am Bosporus

Hochzeit an der Schwarzmeerküste und Asphaltfräsen mal anders

Durchs wilde Nordostanatolien


Iran: Einreise, Tabriz und Gastfreundschaft

Iran: Der Nordwesten, Provinz Aserbaidschan

Iran: Von Tehran über die Seidenstraße nach Osten

Iran: Da bleibt einem doch die Luft weg…

Iran: Von Damghan nach Süden durch die Wüste Dasht-e-Kavier

Iran: Isfahan – eine Stadt, die eine Reise wert ist

Iran: Eine Nuss, ein Zahn, ein Problem und die wundersame Lösung

Iran: Yazd, Küstenstadt mit coolem Wassermanagement

Iran: Von Kerman durch den Glutofen der Wüste Lut

Iran: Mashhad – die heilige Stadt und das Imam-Reza-Heiligtum

Iran: Im Hirtendorf


Turkmenistan – skurriles Land und Disneyland als Hauptstadt

Turkmenistan – Feuerkrater Darwaza

Turkmenistan/Usbekistan: Oase Choresm – Konya Urgench und Chiwa


Usbekistan: Buchara und Samarkand – Königinnen der Seidenstraße


Tadschikistan – Von altem Sowjet-Charme, nervigen Polizeikontrollen, einem Sträfling und einem radioaktiven See

Tadschikistan – Durch die Berge im Norden

Tadschikistan – Von Duschanbe zum Pamir

Tadschikistan – Wo das Pamirgebirge am einsamsten ist

Tadschikistan – Wer nicht schauen will, muss schaufeln…


Tadschikistan/Kirgistan – Über das Dach der Welt ins Land der Pferde

Kirgistan – In der Brücke eine Lücke (also eher mehrere…)

Kirgistan – Das kirgisische Meer in den Bergen, Märchenfelsen und Werkstattbesuche die Spaß machen


Kasachstan – Unendliche Weiten, aber was soll ich schreiben?


Russland – Durchs russische Altai Richtung Mongolei, Werkstatt-Zwischenstop inclusive


Mongolei – Grandiose Landschaften

Mongolei – Land der Jurten und Nomaden

Mongolei – Wasser fassen. Nur nicht lassen!

Mongolei – Materialschlacht und Reparaturen im Off


Russland – Traumziel Baikalsee


Begegnungen auf der Seidenstraße

Fazit der Reise entlang der Seidenstraße, Zahlenspiele