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Kloster Peneda – Zwischen Tradition und Kirmes

Weit oben in den Bergen, einsam und nur über Sträßchen, die für unseren Allrad-LKW eigentlich zu schmal sind, liegt im Norden Portugals das Kloster Peneda. Korrekt: "Santuário de Nossa Senhora da Peneda", was in etwa "Heiligtum unserer Lieben Frau von Peneda" bedeutet.

Umgeben von Bergen schmiegt sich das Kloster Peneda an einen steilen Felsen.

Das Kloster in seiner jetzigen Form stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, gründet aber wohl auf einer Kultstätte aus dem 13. Jahrhundert. Das gesamte Ensemble ist sehr großzügig gestaltet, Blickfang ist die Barocktreppe, die zur Kirche hinauf führt.

Symetrische Barocktreppe

Bevor man zu dieser Treppe gelangt hat man jedoch bereits mehr als 200 Stufen hinter sich. Eine breite Steintreppe führt vom Eingang hinauf zum Hauptplatz vor der Kirche. In den ehemaligen Kostergebäuden sind heute Restaurant und Souvenirshop untergebracht.

Gut zu Fuß muss man sein, um das eigentliche Kloster zu erreichen. Eine breite Steintreppe führt an kleinen Kapellen zum Hauptplatz hinauf.

Rechts und links dieser Treppe wurden 20 Kapellen errichtet, die mit lebensgroßen Figuren Szenen der Geburt und des Leidensweges Christi zeigen. Die Kapellen linker Hand sind etwas größer und zeigen Szenen der Geburt. Die 12 Kapellen der rechten Seite zeigen Stationen des Leidens-/Kreuzweges, wenn man es mit der Darstellung auch nicht allzu genau nimmt (zumindest was die Reihenfolge und die Wundmale Jesu angeht).

Hier dürfte die 5. Kreuzwegstation dargestellt sein: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen.
Hier dürfte es sich um die Szene handeln, in der Judas Jesus verriet.
Eine Szene aus einer der größeren Kapellen der linken Seite. Leider sind die Türöffnungen doppelt vergittert. Man kann nur schlecht hindurch fotografieren.

Die Kirche selbst hat einen aufwendig gestalteten Innenraum und ist symetrisch aufgebaut. Helle Farben und Gold ist vorherrschend, die dunkeln Bänke heben sich ab.

Blick in die Kirche
Altar und Altarretabel
Seitlich des Altars steht ein großes Kreuz und uns scheint, daß der Gekreuzigte hier besonders gequält schaut...

Vielleicht kommt der gequälte Gesichtsausdruck des Erlösers von einer neuen Art der Opferlichter. Jeder kennt wohl diese Kerzen, die in Kirchen zum Gedenken oder als Fürbitte angezündet werden. Meist können diese gegen eine kleine Spende vor Ort erworben werden. Doch hier ist man wohl schon einen Schritt weiter. Hier stehen Automaten (insgesamt 5 Stück), bei denen nach Einwurf einer Münze elektrische LED-Kerzen für eine bestimmte Zeit brennen. Wir finden das doch sehr befremdlich, auch wenn wir jetzt nicht unbedingt zur Fraktion der Gläubigen gehören...

LED-Kerzen leuchten nach Münzeinwurf,...
... irgendwie hat das was von Kirmes.
Auch "schön": nervös flackernde LED-Kerzen...

Auch das direkte Umfeld um das Gotteshaus, mag zu dem gequälten Gesichtsausdruck des Heilands beitragen. Direkt neben der Kirche befindet sich ein Souvenirshop. So weit, so gut. Das ist bei westlichen Sakralbauten heute häufig so. Gutfinden muss man das trotzdem nicht. Hier werden industriell hergestellte Töpferwaren als "lokale Handwerkskunst" feilgeboten, dazu Plastiktiere für den Garten, quasi "tierische Gartenzwerge". Und Kirmes-Tröten!!! Kein Wunder, dass der Gekreuzigte da gequält schaut.

Nippes, Nepp, tierische Gartenzwerge und Kirmes-Tröten. Wir sind wohl doch eine sehr gottlose Gesellschaft geworden...

Übrigens muss man beim Laufen durch die Anlage auch immer vor die eigenen Füße schauen. Sowohl die Treppen, als auch die Plätze werden von den hier in der Gegend gehaltenen Langhorn-Rindern besucht. Diese hinterlassen auch gerne und häufig Fladen.

Sag noch einer, es würden nicht auch Ochsen in die Kirche gehen... 😉

Das "Santuário de Nossa Senhora da Peneda". Ein Ort, der bei uns doch durchaus gemischte Gefühle hinterlassen hat...

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