Fazit der Reise entlang der Seidenstraße, Zahlenspiele

Nun sind wir wieder ein paar Wochen zurück in der „Heimat“ und bemühen uns, uns wieder einzuleben. Wir haben die vielen Eindrücke, die uns diese Reise beschert hat, sacken lassen und natürlich in allerlei Erzählungen vieles „nochmal durchlebt“.

Oft wurden wir die typischen Fragen nach einer Reise gefragt: „War es schön?“ (Was will man da antworten ausser „Ja“) oder – mit etwas mehr Interesse – „Wo hat es Euch am besten gefallen?“. Diese Frage ist schon sehr viel schwerer zu beantworten. Dazu waren die vielen Länder und Regionen, die wir durchreist haben, einfach zu unterschiedlich. Kann man die Kultur im alten Persien, die schroffe Bergwelt des Pamir und die unendlichen Weiten der Mongolei miteinander vergleichen? Wir meinen nein. Jedes Land, jede Region hatte ihre Reize und ihre Schönheit. Der „kulturlastige“ Teil der Reise an der alten Seidenstraße, hatte einen völlig anderen Charakter, als der Teil vom Pamirgebirge bis zur Mongolei und dem Baikalsee, der mehr von Natur und Landschaft dominiert wurde. Aber gerade diese Unterschiede machen für uns eine Reise aus. Und so bot uns diese Tour viele, viele schöne Momente und Höhepunkte. Es hat sich mehr als gelohnt.

Insgesamt gesehen war die Reise rückblickend betrachtet auch viel einfacher, als wir das vorher dachten. Nach dem Lesen von manchen Reiseberichten anderer, haben wir mit deutlich mehr Schwierigkeiten gerechnet (Behördenwillkür, Probleme bei Grenzübertritten, Versorgungssituation mit Nahrungsmitteln). Woran das liegt? Liegt es an der persönlichen Erwartungshaltung? Am eigenen Auftreten? Will der ein oder andere in seinen Berichten das eigene „Abenteuer“ größer machen, als es wirklich war? Keine Ahnung. Übrigens verwenden wir nicht das „große Wort“ Abenteuer. Lieber das Wort „Erlebnis“. Unter Abenteuer stellen wir uns dann doch etwas weit Schwierigeres vor, als das was wir erleben durften. Mit etwas Reiseerfahrung, offenem Herzen und freundlichem Auftreten kann die Region „Zentralasien“ ohne nenneswerte Probleme bereist werden. Das schreiben wir hier deutlich, auch um anderen Reisenden, die sich immer mal wieder auf unserer Seite einfinden, ein positives Feedback zu geben.



Was bleibt? Was hat uns bewegt?

Wir durften auf dieser Reise eine beeindruckende Kultur kennenlernen und haben faszinierende Landschaften durchfahren. Doch am meisten beeindruckt haben uns die Menschen, denen wir begegnet sind. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft haben wir in einem Ausmaß erlebt, das für Westeuropäer unvorstellbar ist. Die unzähligen Einladungen, die selbstverständliche Hilfsbereitschaft, die Freude darüber, dass wir Fremde ihre Heimat bereisen, kann man gar nicht wiedergeben. Und doch haben wir, d. h. vor allem ich geschwätziger Mensch ;-), uns vorgenommen, möglichst jedem davon zu berichten. Die Freundlichkeit dieser Menschen ist soweit entfernt von dem leider in unserem Breiten oft vorherrschenden Meinungsbild, dass es weh tut. Wir haben es vor Ort erlebt und sind froh über diese Erfahrungen. Speziell im Iran (um dann vielleicht doch einen Favoriten zu nennen), waren wir von der Herzlichkeit der Menschen schlicht überwältigt. Wir hoffen, dass die Menschen im Iran sich noch lange ihre Herzlichkeit bewahren können.



Welche Probleme gab es?

Das eine solche Reise nicht ganz ohne Probleme verläuft, versteht sich wohl von selbst. Und doch waren es letztlich weniger, als erwartet.

Ein paar Mal sind wir an korrupte Polizisten geraten und zweimal an korrupte Grenzbeamte. Doch die Situationen waren nie wirklich problematisch und wir konnten diese immer lösen, ohne das berühmte „Bakschisch“ zu zahlen. In der Tat haben wir nicht ein einziges Mal Schmiergeld bezahlt. Geht also auch.

Es gab – natürlich – Probleme mit dem Fahrzeug. Was bei über 31.000 gefahrenen Kilometern, davon fast 20.000km auf schlechten Straßen oder Pisten, nicht wirklich verwundert. Die Fahrzeug-Probleme lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:
1. Altersbedingte Schäden (z. B. defekte Wasserpumpe, undichte Wellendichtringe), schließlich ist das Auto 30 Jahre alt.
2. Probleme durch hohe Beanspruchung durch „Schüttelpisten“ (losgerüttelte Schrauben, gebrochender Kotflügelhalter, …)
3. „selbstverschuldete“ Schäden durch viel zu hohes Fahrzeuggewicht (gebrochener Hilfsrahmen, gebrochene Federn)

Der dritte Punkt hat uns letztendlich die meisten Probleme bereitet. Im Laufe unserer Ausbauaktivitäten ist unser 7,5tonner immer schwerer geworden und schließlich waren wir am Abreisetag mächtig überladen. Das genaue Reisegewicht wollen wir hier aus rechtlichen Gründen lieber nicht nennen… 😉
Alleine seit der letzten größeren Tour (Island 2014) ist rund eine halbe Tonne zusätzliches Gewicht zum – damals schon deutlich überladenen – Auto dazugekommen. Ein zweites Ersatzrad (rund 120kg), Schneeketten (die bei unserer Reifengröße auch einiges wiegen), zusätzliches Bergematerial sowie weitere Ausrüstung haben das Gewicht mehr und mehr erhöht und die Fahreigenschaften merklich verschlechtert. Auch der – sowieso drehmomentschwache – Motor unseres 8.136 war den Anforderungen in den Bergen kaum noch gewachsen.

Daher hier auch der absolute „Geheim-Tip“ an alle, die noch an ihrem Auto bauen: Gewicht sparen, Gewicht sparen, Gewicht sparen und ein Basisfahrzeug kaufen, welches stabil genug ist. Und halt lieber den LKW-Führerschein machen.
Wir arbeiten bereits an einer solchen Lösung… 😉


Dieses Video zeigt recht anschaulich, dass unser Basisfahrzeug mit dem hohen Gewicht des Koffers doch sehr überfordert war. An dieser – eigentlich harmlosen Stelle (normale Piste mit ein paar diagonal verlaufenden Querrillen) – schaukelt sich das Auto doch sehr auf, was letztlich sogar zum Abheben des rechten Hinterrades führt.



Warum sind wir mit dem Fahrzeug zurückgekommen?

Der ein oder andere aufmerksame Leser hat es bemerkt. Entgegen unserer ursprünglichen Planung haben wir unser „Schneggsche“ nicht in der Mongolei überwintern lassen, sondern sind damit zurückgefahren. Warum? Eigentlich wollten wir doch die Reise im nächsten Jahr in der Mongolei fortsetzen. Nun, diese Entscheidung war ein längerer Prozess und lässt sich nicht so einfach in ein paar Worten beschreiben. Zum einen wollten wir unserem überlasteten Auto nicht nochmal eine Menge „Offroad“-Kilometer zumuten. Zumal wir die Entscheidung zum Kauf eines stabileren Basisfahrzeug bereits unterwegs getroffen hatten. Dazu kamen aber auch noch eine Reihe anderer Gründe: Bis einschließlich der Einreise in die Mongolei konnten wir nicht verlässlich klären, ob es tatsächlich möglich sein würde, das Auto stehenzulassen und ohne Auto auszureisen. Dazu kam, dass der Zeitpunkt unserer Rückkehr in die Mongolei und die dann geplante Weiterreise in eine wettertechnisch ungünstige Zeit gefallen wäre. Aufgrund von Zollbedingungen hieß es, dass falls wir das Auto überhaupt stehenlassen könnten, es maximal 6 Monate im Land bleiben dürfe. Das hätte bedeutet, dass wir bereits Anfang März nächsten Jahres wieder hätten in die Mongolei zurückkehren müssen. Viel zu früh im Jahr. Denn dann beginnt der tief gefrorene Boden aufzutauen und hinterlässt viel Wasser und tiefen Schlamm. So haben uns zumindest Mongolen und andere Reisende berichtet. Dazu kamen noch ein paar weitere Faktoren aus dem persönlichen Umfeld.
Die Summe all dieser Gründe hat uns bewogen, unseren Reiseplan anzupassen. Wir sind also mit dem Auto zurückgefahren, werden das Basisfahrzeug gegen etwas Stabileres austauschen (der Wohnkoffer wandert dann auf das neue Fahrgestell) und danach die Reise fortsetzen.



Zahlenspiele

„Wieviele Kilometer seid ihr gefahren?“, „Was kostet so eine Reise?“, „Was müsst ihr Geld haben!“ Solche Fragen und Aussagen hören wir immer wieder. Daher mal ein paar Zahlen. Auch, damit andere Reisende sich ein Bild machen können.
Gefahren sind wir etwas mehr als 31.000 Kilometer, wobei davon fast 9.000km auf den „Heimweg“ vom Baikalsee entfallen (diese Strecke war wirklich nur „Rückfahrt“ und nicht mehr „Reise“). Insgesamt 17 mal haben wir eine Landesgrenze überquert (davon 12 „richtige“ Grenzübergänge und 5x innerhalb der EU). Im Durchschnitt hat sich unser „Schneggsche“ etwa 22 Liter Diesel gegönnt, den wir in einer Preisspanne zwischen 0,16€ (Iran) und 1,10€ (Deutschland) eingekauft haben.

Und das Geld?
Insgesamt haben wir für die 6,5 Monate ziemlich genau 8.000,-€ ausgegeben. Und zwar inclusive aller Kosten, die direkt mit der Reise zusammenhängen (auch Visa, Kartenmaterial, …). Das entspricht etwa 1.230,-€ pro Monat. Der größte Kostenblock war erwartungsgemäß der Sprit (ca. 3.000,-€), danach folgten die Ausgaben für Visa, Einreise-Gebühren, usw. mit 2.300,-€. An dritter Stelle lagen Ausgaben für Lebensmittel mit etwas über 1.500€. Der Rest teilt sich auf in Reparaturen/Ersatzteile, Kommunikation, Kartenmaterial, Eintrittsgelder, …
Insgesamt also durchaus überschaubar. Ohne den großen Block der – eigentlich – unnötigen Gebühren, wäre das Reisen richtig billig. Preiswert ist es sowieso.



Nochmal oder habt ihr jetzt die Nase voll?
Wer unsere Berichte gelesen hat, kennt wohl schon die Antwort. Die Reise entlang der Seidenstraße, die uns bis in die Mongolei geführt hat, war für uns ein Highlight und wir können kaum erwarten, wieder aufzubrechen…

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Title: Fazit der Reise entlang der Seidenstraße, Zahlenspiele
Date Posted: 4. Dezember 2016
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Category: Reiseberichte

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