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Durchs wilde Nordostanatolien

Von Trabzon an der Schwarzmeerküste ging es nun landeinwärts Richtung Ostanatolien. Die Straße folgt einer alten Handelsroute, die von Persien ans Schwarze Meer führte. Heute lässt die gut ausgebaute Straße jedoch keine Erinnerungen mehr an ehemalige Karawanen aufkommen.

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Unser "Schneggsche" leistete Schwerstarbeit auf der oft steilen Straße. Häufig nur im zweiten Gang quälte es sich die Straßen im Pontischen Gebirge nach oben. Hier wäre mehr Leistung doch sehr wünschenswert...

Nicht weit von der Küste entfernt, aber doch schon über 1600m hoch, liegt das christlich-orthodoxe Kloster Sumela. Wie ein Adlerhorst duckt sich das vierstöckige Gebäude in eine Nische einer steil abfallenden Felswand. Der Anblick ist beeindruckend.

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Kloster Sumela
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Das Kloster Sumela schmiegt sich eng an die senkrechte Felswand.

Leider konnten wir uns das Kloster nur von aussen anschauen. Der Eintritt war versperrt. Entweder sind wir noch zu früh dran oder es wird renoviert. Das konnten wir nicht herausfinden.

Am Kloster trafen wir auf 4 deutsche Radfahrer, die von Deutschland aus Richtung Osten unterwegs sind. Die unterschiedlichen Ziele der einzelnen Radler sind China und Indien. Mit dem Fahrrad! Sag noch einmal einer, wir wären bekloppt... Die Vier haben sich unterwegs getroffen und radlen gerade ein Stück zusammen.

Ostanatalien unterscheidet sich deutlich von der Schwarzmeerküste. Hier leben sehr vie weniger Menschen, die wenigen Städte und Siedlungen auf unserer Strecke liegen weit auseinander. In dieser gebirgigen Region, alles liegt so zwischen 1500 und 2500m Höhe, sind die Lebensbedingungen hart. Die Winter sind lang und kalt, an vielen Stellen liegen auch jetzt noch dicke Schneefelder.

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Und die Bevölkerung wird konservativer je weiter wir nach Osten kommen. Fast alle Frauen tragen Kopftuch, man sieht nun auch mehr Frauen, die verschleiert sind. Die Menschen sind alle freundlich, grüßen und sind hilfsbereit.

In der Stadt Bayburt besuchen wir die dortige, um das Jahr 1000 errichtete, Zitadelle.

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Zitadelle Bayburt
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Von aussen macht sie deutlich mehr her als von Innen. Die komplette Spitze eines Hügels wurde hier umfriedet und bildete Rückzugsraum für die Bevölkerung beim Einfall fremder Heere. Reste von Wasserreservoieren und Lagerräumen sind erkennbar. So konnten auch längere Belagerungen ausgehalten werden. Wir kennen ähnliche Speicherburgen aus Marokko.

Immer weiter geht es Richtung iranische Grenze. Schon von weitem sichtbar ragt der heilige Berg Ararat aus der Landschaft. Dieser mit 5137m höchste Berg der Türkei ist vulkanischen Ursprungs.

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Besondere Bedeutung erlangte er, weil hier nach alten Überlieferungen einst die Arche Noah nach der Sintflut gestrandet sein soll. In der Tat gab es mehrere Expeditionen, die nach Überresten der Arche suchten. Eine Expedition entdeckte angeblich einen versteinerter Schiffsbug, eine andere Zedernholz, dessen Alter auf 4800 Jahre taxiert wurde. Hm, wir haben nichts gefunden. Wir haben auch mal den gesamten Berg mit dem Fernglas abgesucht, aber auch Noah hat uns nirgends zugewunken. Naja, vielleicht beim nächsten Mal...

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Direkt von der Stadt Dogubayazit aus wirkt der Berg Ararat schon beeindruckend...

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Dogubayazit wird überragt vom Ishak-Pascha-Palast, einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Türkei.

Der Palast war einst eine Mischung aus orientalischem Lustschloss und persischer Zwingerburg. Die Lage hoch über der Hochebene ist einzigartig. Hier residierten Herrscher, denen das Volk zu Füßen liegen sollte.

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Ishak-Pascha-Palast
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Auch in den Felswänden hinter dem Palast gibt es was zu entdecken...

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Abendstimmung

Morgen geht es nun in den Iran. Es sind nur noch wenige Kilometer bis zu Grenze. In dieser Region ist es nicht weit nach Georgien, Armenien und zum Iran. Auch die kurdische PKK ist hier wohl immer mal wieder aktiv. Das alles führt zu einer deutlichen Militärpräsenz hier.

Fazit Türkei:
Wir sind nun rund 2 Wochen durch die Türkei gereist, zu wenig, um sie wirklich gesehen zu haben. Nach unserer heutigen Planung wollen wir uns im nächsten Herbst, nach der Rückreise aus der Mongolei, die Türkei genauer ansehen.
Doch einige Dinge fallen gleich ins Auge. Zum einen wird überall gebaut. Sowohl Straßen, als auch Häuser. In jeder Stadt sieht man Hochhäuser, die gebaut werden, oft nicht einzelne sondern ganze Viertel aus Hochhäusern.
Auch in die Infrastruktur wird investiert, auch in abgelegnen Regionen, dort zumindest in die Verbindungsstraßen. Alle Verbindungsstraßen werden vierspurig angelegt und hunderte Tunnel gegraben. Beim heutigen Verkehrsaufkommen fehlt die Phantasie, sich vorzustellen, wie diese Straßen jemals adäquat genutzt werden sollen. Entweder ist das alles sehr weitsichtig geplant oder Gigantismus. Das wird die Zukunft zeigen.

Was auch auffällt ist, dass sehr viele neue Moscheen gebaut wurden. Die Türkei ist eindeutig auf dem Weg vom Kemalismus der letzen fast 100 Jahre zu einem mehr und mehr muslimischen Staat. In den ländlichen Regionen wirkt vieles sehr konservativ, ein großer Kontrast zum westlich anmutenden Instanbul.

Sehr positiv überrascht hat uns die Freundlichkeit der Menschen hier. Viele winken uns im Vorbeifahren zu. Wenn wir irgendwo stehen, auch nur an einer Ampel, wird oft gefragt, woher wir kommen. Alle sind sehr hilfsbereit. Einladungen zum Tee gibt es immer wieder. Vielleicht ein Beispiel: In einer Stadt vor einem Geschäft für Sanitärzubehör, haben Achim und ich die Luftansaugung unseres "Schneggsches" umgebaut. Dazu brauchten wir verschiedene Bogen und Stücke HT-Rohr. Es war kein Problem, immer wieder reinzugehen, Teile zu nehmen, zu probieren, wieder zurückzulegen. Am Schluss habe ich einfach gesagt, was ich verbaut hatte und ohne zu kontrollieren war das okay so. Vom gegenüberliegenden Lokal kam der Kellner und brachte uns Tee ans Auto, natürlich kostenlos. Bei einem Aluminiumbetrieb haben wir uns von einem Vierkantrohr zwei Stücke abgeschnitten. Bezahlen mussten wir nichts.

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