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Island(8): Südliches Hochland

Milchiger Wasserfall, Hochlandpiste und Wasserfall Haifoss

Nachdem wir am Abend vorher gesehen haben, wo der Hochlandbus durch das Geröllfeld gefahren ist, machen wir uns auf den gleichen Weg, nur in umgekehrter Richtung. Und es lohnt sich. Wir kommen bis nah an den Wasserfall, den Rest laufen wir zu Fuß, immerhin regnet es gerade nicht. Oben ist der Eindruck gewaltig. Ein großer Schmelzwassersee, bis an dessen Rand eine riesige Gletscherzunge des Langjökull ragt, speisst einen Abfluss, der sich tief ins Gestein gegraben hat. Und die Wassermassen, die hinunterstürzen, sind - typisch für Gletscherabläufe - milchig weiß. Beeindruckend.

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Der Abfluss des Schmelzwassersees. Im Hintergrund rechts die Gletscherzunge des Langjökull.

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Ungeheuere Mengen Wasser schießen durch einen engen Kanal zu Tal.

Weiter geht es. Wir wollen eine Hochlandpiste zum Haifoss fahren, einem Wasserfall, der schon in der Nähe des geologisch interessanten Landmannalaugar-Gebietes liegt. Bevor wir zu der Hochlandpiste kommen, müssen wir aber noch am Gullfoss vorbei, einem der bekanntesten Wasserfälle in Island und einer der drei Haupt-Touristenattraktionen, die freundlicherweise alle recht nah beieinanderliegen und als "Goldener Zirkel" bezeichnet bequem von Reykjavik aus per Bus an einem Tag abgeklappert werden können. Dementsprechend viele Busse stehen auch auf dem Parkplatz, aber wo wir schon mal da sind, schauen wir uns den durchaus schönen Wasserfall auch an. Fast wichtiger für uns ist aber, das wir an einem der Müllcontainer, die für das Gullfoss-Kaffee und den Gullfoss-Shop aufgestellt sind, unseren Abfall los werden.

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Ein Touri-Hotspot, aber trotzdem schön: Der Gullfoss.

Dann geht es auf die durchaus interessante Piste Richtung Haifoss. Hier sind einige Furten zu bewältigen, die aber alle recht anspruchslos sind. Nur die letzte unmittelbar oberhalb des Haifoss-Wasserfall ist etwas tiefer und schneller fließend und die großen Steine im Wasser lassen uns ganz schön hoppeln.

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Schneggsche im Wasser. Hier sind die Lampen noch über Wasser...

Am Haifoss angekommen, warten wir eine Regenpause ab und wandern bis hinunter in die Schlucht, wo das Wasser aus rund 120m Höhe aufschlägt. Gewaltig. Auch um einen Größenvergleich für die Filmaufnahmen zu haben, muss ich ganz nach vorne. Natürlich dreht in der engen Schlucht immer wieder der Wind und so nehme ich bei 10° Außentemperatur eine ausgiebige Dusche in der Gischt des aufschlagenden Wassers. Doch der Moment ist unbeschreiblich. Geil! Triefend nass geht es dann den durchaus anspruchsvollen Weg wieder hoch aus der Schlucht. Aber die Tour hat sich gelohnt. Wer zum Haifoss kommt, sollte also unbedingt in die Schlucht hinuntersteigen. Und ich habe einen neuen Wasserfall-Favoriten...

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Der Haifoss stürzt aus rund 120m Höhe in eine enge Schlucht.

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Ein traumhafter Anblick.


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Es lohnt sich, auf einem schmalen Pfad in die Schlucht hinab zu wandern.





Wanderers-Leid, Wanderers-Freud und Helios ist noch nicht verloren

Nach der Übernachtung am Haifoss haben wir uns entschlossen, nochmals die etwas anspruchsvollere Furt oberhalb des Wasserfalls zu fahren, um zu filmen und Fotos zu machen. Dies hat wohl nicht gerade Freude bei einem armen Wandersmann ausgelöst. Dieser hatte unmittelbar bevor wir kamen, diese Furt zu Fuß queren müssen. Wären wir 10 Minuten früher eingetroffen, hätte er sich das Durchwaten des nicht wenig strömenden, eiskalten Wassers, das an der höchsten Stelle doch immerhin hüfthoch war, ersparen können. So kamen wir erst an, als der arme Tropf auf der anderen Seite des Wassers mit Abtrocknen und Ankleiden beschäftigt war. Als wir rüberkamen war er dann voller Hoffnung, dass wir ihn ein Stück auf der Piste, bei der noch einige Furten zu queren waren, mitnehmen könnten. Doch da musste ich ihm sagen, dass wir gleich wieder rumdrehen und durch die Furt zurückfahren, da wir den Weg, den er nun gehen wollte, gestern gekommen waren. So ein Pech. Aber immerhin konnten wir ihm sagen, dass die Furten, die ihn dort erwarten nicht so tief sind, wie die, die er gerade hinter sich gebracht hatte.

Also zurück durch die Furt und zunächst ein Stück auf der 26, bis wir nach einer Tankstelle, an der wir eigentlich tanken wollten, aber die Pumpe defekt war (dann muss der Sprit halt so reichen), auf die F208 abbiegen Richtung Landmannalaugar. Hier können wir nach den Minuspunkten heute morgen, beim Wanderergott wieder Pluspunkte sammeln, als wir einen kanadischen Wanderer als Anhalter mitnehmen. Mit ihm zusammen fahren wir die viel befahrene Piste zum Campingplatz in Landmannalaugar, dem "Wanderer-Hotspot" in Island. Dementsprechend viel ist dort auch los, schon von Weitem sieht man die Zeltstadt, die Busse und die vielen Autos. Da wir das landschaftlich interessante Gebiet, in dem die Berge viele Farben und Formen haben, erst nächste Woche zusammen mit unserer Tochter anschauen wollen, setzen wir den jungen Mann dort nur ab und fahren Richtung Süden aus dem Nationalpark heraus, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen.

Am Abend dann das Unglaubliche: Nach rund 3 Wochen sehen wir zum ersten Mal wieder ein Stück blauer Himmel und sogar die Sonne wirft ein paar Minuten lang ein paar Strahlen nach uns.

Für ein paar Fotos unterwegs reicht es dann natürlich doch:

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Am Spätnachmittag sehen wir dann zum ersten Mal wieder blauen Himmel:

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Durch späte Schneeschmelze und viel Regen ist überall noch viel Wasser. Auch in diesem Tal müssen/dürfen wir etliche Furten fahren.





Wanderung zum Ofaerufoss, Schnecke trifft Grille und Geburtstagskuchen

Gemütlich tuckern wir auf der F208 Richtung Süden durch eine einmalige Landschaft. In einem Seitental kann man von einem Parkplatz zu einem Wasserfall mit unaussprechlichem Namen wandern. Alle Besucher nehmen den einfachen Weg, der hin und zurück unten durch die Schlucht führt. Da ich nicht gerne zweimal die gleiche Strecke laufe, entscheiden wir uns den Hinweg am oberen Rand der Schlucht zu laufen, wo auch ein schmaler Pfad entlang führt. Kurz vor dem Wasserfall kann man dann absteigen und den Rückweg am Wasser entlang nehmen. Gesagt, getan. Vom oberen Pfad hat man immer wieder schöne Ausblicke auf den Wasserfall und die Umgebung.

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Wanderung zum Ofaerufoss

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Da ist er.

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Überall Lavagestein.

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Früher oder später ist dieses mit dickem Moos bedeckt.



Auf dem Parkplatz lernen wir Heike und Andi kennen, die mit Ihrem Iveco mit dem schönen Namen "Grille" (www.grilleontour.de) unterwegs sind. Wir laden die beiden auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Geburtstagskuchen ein (unsere Tante Lore wird heute 80 Jahre alt, das ist doch ein Stück Kuchen wert!). Wir unterhalten uns nett, fahren dann ein paar Kilometer die gleiche Richtung, bis wir auf die F233 abbiegen, da wir nördlich der Gletscher Myrdalsjökull und Eyjafjallajökull Richtung Porsmörk wollen. Die F233 ist eine wenig befahrene Piste und so geht es gemütlich durch eine von grünem Moos überzogene Landschaft. Unmittelbar vor der ersten nennenswerten Furt, die zu queren wäre, lädt ein Plätzchen direkt am Wasser zum Bleiben ein. Unterhalb der Furt fällt das Wasser in schönem türkis etwa einen Meter tief in ein kleines Becken. Meine Augen suchen die Stelle, wo das Wasser wieder abfließt. Ein paar Schritte später lüftet sich das Geheimnis, das Wasser fließt unter der Erde durch das Gestein und tritt dann wieder aus. Auch schön.
Am Abend kommen noch 2 Wanderer des Weges. Wir unterhalten uns in englisch. Nach über 5 Minuten angestrengter Konversation über Wegstrecke, Wetter, Schneehöhe, Ausrüstung, usw. frage ich dann, was man eigentlich zu Beginn fragt: "Where are you from?" - "Germany" ist die Antwort. Okay, dann geht es auf deutsch einfacher...

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Hier zu erkennen, das Wasser aus dem oberen Becken läuft unter einem Riegel aus Lavagestein durch.

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Schöner Platz direkt vor einer Furt, die uns am nächsten Morgen noch beschäftigen sollte... (ungefähr so wie unser Auto steht, müssen wir da durch)





Furt des Schreckens, Aschewüste und "Kaffee zum Schneggsche"

Heute geht es ausnahmsweise mal relativ früh los. Beide waren wir früh wach und konnten nicht mehr schlafen. Also können wir auch früher los als sonst.Das passte ganz gut, hatte uns doch vor 2 Tagen einen anderer Reisender berichtet, dass die Strecke, die wir fahren wollen, schwierig sei und er diese Befahrung abgebrochen hat. Falls wir also Umkehren müssen, bleibt ausreichend Zeit für eine andere Strecke, schließlich müssen wir übermorgen ja Katharina am Flughafen abholen.

Also los und direkt durch die Furt, an der wir ja unmittelbar übernachtet haben. Ich hatte vorher mal geschaut, die war zwar ganz ordentlich, aber "kann doch kein Problem sein". Also zweiter Gang Untersetzung, Mittel- und vorsichtshalber Hinterachsdifferential gesperrt und rein ins kühle Nass. Wie meist bin ich wieder zu schnell. Wegen dem gefühlt zu geringen Drehmoment des Autos will ich immer etwas Schwung haben. Die ersten 2 m gehen gut, doch ich erwische wohl nicht die Ideallinie, sondern treffe auf ein paar große Steine. Wie ein störrischer Esel bockt sich unsere Schnecke durch das Bachbett. Mit Unterstützung durch den Schwingsitz geht es zunächst nach oben, wo ich mit dem Kopf gegen die Dachkonsole knalle. Doch mit den Gesetzen der Physik zerrt die Schwerkraft an meinem Alabasterkörper und so geht es gleich drauf wieder nach unten. Zwischenzeitlich ist der Kunststoff-Werkzeugkasten, der hinter meinem Sitz liegt, nach vorne unter den Sitz gehoppelt und so richten meine 100kg Kampfgewicht in Verbindung mit dem Schwingsitz ein Desaster an. Unter lautem Knirschen und Bersten bricht der Werkzeugkasten auseinander. Beide sind wir mächtig erschrocken, doch unser "Schneggsche" hoppelt tapfer weiter aus dem Bachbett heraus. Aussen dann kurzer Check am Auto, alles heil. Kopf nicht so ganz, Werkzeugkasten gar nicht. Weiter geht es...

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Kopf...

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... und Werkzeugkasten nach dem Passieren der Furt.



Nach ein paar Kilometern folgt eine weitere Furt, die uns doch etwas grübeln lässt. Diese ist deutlich breiter als die erste und sieht auch recht tief aus. Dazu kommt, dass es in dem Wasserbett noch mehrere Inselchen aufgeschwemmt hat und wir an der Festigkeit des Bodens zweifeln. Der Pistenbelag hatte vorher von steinigem Boden zu Asche/Sand gewechselt und so sieht das Ufer hier auch überall aus. Dazu kommt, dass wir nicht wirklich erkennen, wo wir da rein, wie um oder über die Inselchen und wo wieder raus fahren sollen. Dann ist uns natürlich noch die Erinnerung an die erste Furt präsent. Und nun sollen wir da durch?! Zunächst steige ich mal aus und laufe am Ufer hin und her und schaue mit dem Fernglas, ob ich da was sinnvolles erkennen kann. Als ich wieder einsteige, bin ich genau so schlau wie vorher. Ich frage die beste Ehefrau von allen, ob sie arg sauer ist, wenn wir gleich in dem Wasser da feststecken und sie antwortet mit unserem neuen geflügelten Wort "Geht schon." Okay, Gang rein und langsam ins Wasser. Die Vorderachse taucht ab, die Stoßstange taucht ins Wasser. Ohje. Aber dann tuckern wir gemütlich durch. Der Boden trägt unsere 8 Tonnen und da es keine größeren Steine hat, ruckelt es auch nicht. Alles gut. Hinterher stehen nur die Scheinwerfer voll Wasser...

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Da kann einen schon mal der Mut verlassen...

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Gleich zu Beginn war es am tiefsten. Unangenehm, wenn die Vorderachse immer tiefer abtaucht und man nicht weiß, was noch kommt...



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Da mussten wir glücklicherweiße nicht durch. Hier gab es eine Brücke.



Oberhalb der Gletscher Myrdalsjökull und Eyjafjallajökull fahren wir durch ein pechschwarze Wüste aus Vulkanasche. Diese stammt in erster Linie vom Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahre 2010 (der ein oder andere wird sich noch an den Ausfall des gesamten europäischen Luftverkehrs erinnern). Leider ist das Wetter mal wieder beschissen und die Sicht beträgt nur wenige Meter. So erahnen wir die Schönheit der Landschaft mehr, als dass wir sie sehen.

Gegen Mittag trifft unsere Route auf eine stark begangene Wanderstrecke, der bekannteste isländische Wanderweg von Porsmörk nach Landmannalaugar. Und wie es der Zufall will, treffen wir dort auf Flo, der mit seiner mittlerweile eingetroffenen Freundin Cora diese Strecke wandert. Nach freudiger Begrüßung erfreuen wir die beiden erstmal mit einem heissen Kaffee. Starker Wind und Regen machen diese Wanderung nicht eben zu einem Spaziergang. Wir reden noch eine Zeit, dann gehen die beiden weiter ihren Weg und wir sind ganz froh, dass wir unseren trocken, in einem geheizten Auto, fortsetzen...

Am späten Nachmittag passieren wir Porsmörk nördlich und kommen wir wieder in der Zivilisation an. Ein aufregender Tag liegt hinter uns.

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Wieder nah am Meer. Island hat "außenrum" viele Wasserfälle, da sich die gesamte Insel nach Abschmelzen der Eiszeit-Eiskuppe (Island war kilometerdick mit Eis bedeckt) rund 60m aus dem Meer gehoben hat. Somit haben sich die ehemaligen Flussmündungen entsprechend angehoben und es sind viele Wasserfälle entstanden. Dies ist einer davon.

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Hier lohnt sich ein Spaziergang ganz nach hinten. Das Wasser fällt in einer schönen Schlucht.





Einkaufen, Tanken, Autowaschen

Heute steht in Selfoss Großeinkauf auf dem Programm, unser letzter Einkauf liegt schon 3 Wochen zurück. Außerdem tanken wir rund 270 Liter und müssen dringend unser Auto vom gröbsten Schmutz befreien. Und wir füllen unseren Wasservorrat auf. Dann geht es an die Küste langsam Richtung Flughafen, wo morgen Katharina ankommt.

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Nochmal für alle, die immer davon reden, dass wir solange "Urlaub" machen. So sieht unser Kühlschrank nach 3 Wochen "Wildnis" aus. Von Urlaub kann bei diesen Entbehrungen keine Rede sein. Es handelt sich um eine anstrengende Reise... 😉

Nun stehen wir nach einem Tag mit Haus- und Körperputz (Schwimmbadbesuch) am Flughafen und warten auf die Ankunft von "Katsche".

2 Gedanken zu „Island(8): Südliches Hochland

  1. AvatarAstrid

    Hallo ich verfolge eure Reise und wünsch euch noch viel Spaß kommt gesund nach Hause. Die Bilder sind der Hammer danke Markus und Heike das ihr so den zu Hause auch etwas Urlaub bringt.

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