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Island(4): Westfjorde Teil 1

Felsenburg Borgarvirki und Planschen im Nordpolarmeer
Auf der Halbinsel Vatnsnes liegt am Ostufer des Vesturhopsvatn auf einem 177m hohen Hügel die Felsenburg Borgarvirki. Diese natürliche Burg besteht aus 10-15m hohen Basaltsäulen, die eine runde Senke umfassen. Die einzige Öffnung im Osten wurde durch eine aus Steinen aufgeschichtete Wand verschlossen. Wer diese Festung anlegte und warum ist nicht überliefert, auch wenn sie in zwei isländischen Sagas vorkommt.

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Von weitem sichtbar: Die Felsenburg Borgarvirki

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Zum Größenvergleich: Heike auf der westlichen Einfassung

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Der Innenraum ist fast rund, rechts ist die aufgeschichtete Mauer zu sehen.

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Aus diesem Aufnahmewinkel sieht sie eher klein aus. Wie so oft: Die Sichtweise macht's.



Zwischendurch halten wir immer wieder an, um uns verschiedene Gesteinsformationen anzuschauen.

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Basaltsäulen am Meer.

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Von oben ist die Sechseck-Form ganz gut zu erkennen. Angeblich ist das Sechseck die stabilste geometrische Form.

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Das sieht eher nach Bienenwaben aus...

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Immer wieder schön zu sehen, wo sich der hier eher spärliche Bewuchs so behaupten kann.





Natürlich muss ein alter Schwimmer auch mal ein Bad im Meer nehmen. Es war ziemlich kalt...
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Ziemlich lange Einbahnstraße, Hot Pot Krossneslaug

In Holmavik bunkern wir Wasser und gönnen unserem "Schneggsche" eine Autowäsche. Autowäsche ist in Island grundsätzlich an praktisch jeder Tankstelle kostenlos möglich und nach Fahren von Schotterpisten auch dringend notwendig. Wir treffen dort ein Päärchen mit einem Wohnmobil und unterhalten uns länger. Dann fahren wir mit der Straße 643 die bisher längste Einbahnstraße in unserem Leben: Rund 100km geht es in eine Richtung an der Ostseite der Halbinsel Strandir hinauf. Die Fahrt ist abwechslungsreich, immer wieder gibt es schön Ausblicke.

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Die Straße endet an einem der interessantesten Schwimmbäder Islands: Krossneslaug. Das Bad liegt direkt am steinigen Strand. Man liegt in warmem Wasser und dahinter schäumt der kalte Nordatlantik. Geil. Das Bad ist relativ gut besucht, ein paar Kilometer vorher gibt es ein paar Unterkünfte. Also warten wir bis etwa 23 Uhr und haben das Bad für uns alleine.

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Traumhafte Lage, direkt am Strand.

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Das Wasser kommt oberhalb fertig geheizt aus dem Boden.

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Kalter Ozean, kaltes Bier, warmes Wasser.





Ölverlust
Zurück geht es über die lange Einbahnstraße. Bei einem kurzen Verschränkungstest, sehen wir, dass unter dem Motor reichlich Öl tropft. Da wir es nicht schaffen, das Fahrerhaus alleine zu kippen, fahren wir bis Djupavik zur alten Heringsfabrik. Dort hilft uns ein Müllfahrer beim Kippen. Es sieht aus, als käme das Öl aus dem unteren Flansch des Kompressors, ist aber schwer zu lokalisieren, da alles eingesaut ist. Die Schrauben haben etwas Spiel, ich ziehe sie fester an. Mal sehen... Überprüfung des Ölstandes zeigt keine Notwendigkeit zum Nachfüllen. Nutze den Arbeitseinsatz zum Abschmieren.

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Reparaturarbeiten vor der alten Heringsfabrik in Djupavik.





Eisbrücke, Schnee um den Gletscher Drangajökull

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Eisbrücke in der Nähe der Passhöhe.

Wir fahren die 635 und wollen zur Kaldajon-Bucht, um von dort zum Gletscher Drangajökull zu laufen. Doch dort ist viel Schnee und Wasser. Also zunächst mal weiter bis zum Ende der Piste. Dort übernachten wir direkt neben der kleinen Kirche.

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Höherer Beistand für die Nacht?!

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Wie oft ist der Himmel wolkenverhangen und gibt der Landschaft ein dramatisches Aussehen.

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Schon mal beruhigend, falls Holland bei der WM weiterkommen sollte, als wir: Bald können die nicht mehr fußballspielen, sondern müssen zu Hause Sandsäcke füllen. Wir sehen tausende Stellen, an denen Unmengen Wasser ins Meer fließt...

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Der Gletscher Drangajökull.

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Bei blauem Himmel, wäre es einfacher den Gletscher zu erkennen. So verschwimmt er etwas mit den Wolken.





Tramper, Hot Pot, Fjorde, Wale
Morgens nehmen wir von Dalbaer aus ein junges französisches Wandererpäärchen mit. Diese hatten uns schon am Vorabend gefragt, ob wir sie bis zur Hauptstraße mitnehmen könnten. Sie kamen über die Hornstradir-Halbinsel gewandert, was bei der aktuellen Schneesituation eine große Leistung war. So kam Heike zum ersten Mal in den Genuss, während der Fahrt hinten im Aufbau zu sitzen (vorne sind ja nur 3 Sitze). Die beiden hatten noch Infos zu einem natürlichen Hot Pot, welchen wir nach kurzem Suchen auch fanden und gleich mal ausführlich genossen haben.

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Das sind die wirklichen Highlights in Island: Weitestgehend natürliche Hot Pots. Hier wurde nur eine Hütte zum Umkleiden und eine Art Treppe beigefügt. Das Wasser kommt aus einer heißen Quelle.



Nachdem wir die beiden an der Hauptstraße abgesetzt hatten (die wollten in die andere Richtung) ging es im Zickzack an mehreren Fjorden vorbei. Gegenüber der Insel Vigur haben wir dann einen Stellplatz gefunden und gleich Besuch von einem Seehund bekommen. Als ich da so mit meiner Kamera auf den Seehund lauerte, tauchten auf der anderen Seite des Fjordes Wale auf, zwar wieder weit weg, aber mit Fernglas gut zu beobachten. Ein phänomenaler Sonnenuntergang beschloss den Abend. Was will man mehr.

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Was guckst Du?

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Wieder tropft es unter dem Motor, Kreuzfahrschiff

Wir fahren an den Fjorden entlang. Die Strecke zieht sich. Für Luftlinie 30km fährt man hier schnell mal 200km. An einem der Fjorde finden wir dieses Badebecken, natürlich schön warm. Weit und breit kein Haus zu sehen.

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Vor Sudavik merken wir, dass es wieder unter dem Motor tropft. In Sudavik am Hafen helfen uns Passanten, das Fahrerhaus zu kippen. Es sieht aus, als würde eine Verschraubung am Kompressor tropfen. Dies scheint aber Kühlerflüssigkeit zu sein. In der Tat sehen die Tropfen auch mehr wässerig aus, enthalten aber auch Öl (aber da der Motor noch recht verölt ist, wäre das möglich). Ich ziehe die Verschraubung fester an (obwohl sie schon recht fest war), danach tritt kein Tropfen mehr aus. Mal abwarten und im Auge behalten.

Wir fahren zum Polarfuchs-Zentrum in Sudavik und ich schaue dort mal rein. Aber in dem kleinen Gebäude besteht das gesamte Untergeschoss aus einem Café und alle Schilder handeln nur von Essen und Getränken. Im Dachgeschoss ist wohl die Ausstellung, von der ich gelesen hatte, aber dort hat eine komplette Busladung Touris Platz genommen. Dazu rund EUR 6,- Eintritt pro Person. Das sparen wir uns bei dem Gedränge (zu mal noch 2 Busse warten).
Wir fahren weiter nach Isafjördur. Dort erstmal einkaufen (wird die letzte Möglichkeit für die nächsten 3 Wochen sein). Ich will auch noch einen Handfeger fürs Fahrerhaus kaufen, aber als wir sehen, dass man für den gleichen Preis gleich drei Tüten Taccos bekommt, fällt die Entscheidung für das Naschwerk. 😉

Die Straße nach Isafjördur ist stark lawinengefährdet, da die Bergseite sehr steil ist. Deshalb sind alle hundert Meter Schilder mit Nummern aufgestellt, um im Fall der Fälle die Stelle besser beschreiben zu können. Ich verstehe es trotzdem nicht. Es gibt nur diese eine Straße und die Lawine sieht man ja...

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Wir fahren auch einmal das kleine Städtchen ab, vor welchem im Fjord ein Kreuzfahrtschiff geankert hat und die Passagiere in kleinen Booten an Land und in Busse verfrachtet werden, wahrscheinlich um ins nahe Sudavik zum Polarbus-Zentrum gefahren zu werden (die Busse sind uns nämlich entgegen gekommen). Übrigens haben sich durch das Kreuzfahrtschiff die "Einwohner" von Isafjördur kurzerhand deutlich mehr als verdoppelt. Das Wetter ist nichts für einen Stadtbummel und so fahren wir nach Besuch einer Tankstelle (wo wir charmante 250 Liter Diesel tanken) weiter Richtung Nordwesten, ans nordwestlichste Ende der Westfjorde. Dort soll es eine schöne kleine Bucht geben und vorher eine Piste rauf auf den Berg, von dem man einen schönen Ausblick über den "Hauptfjord" der Westfjorde hat. Zunächst müssen wir dazu durch einen 5km langen Tunnel, was für Heike nicht so einfach ist, sie aber gut meistert. Seit 2010 führt der Tunnel auf diese Halbinsel und die schöne und interessante Küstenstraße, welche wir viel lieber gefahren wären, ist gesperrt. Da gab es immer wieder Stein- und Schneelawinen und im Winter war oft wochen- oder monatelang kein Durchkommen. Nach der Stadt Bolungarvik (welche der Grund für den Tunnelbau war, ca. 890 Einwohner), geht es nochmal 13km Piste zur der kleinen Bucht. Die Piste rauf auf den Berg ist leider noch wegen Schnee gesperrt. Der Taleinschnitt liegt so "ungünstig", dass sich hier der Schnee links und rechts der geräumten Hauptpiste noch 3m hoch türmt, am 28. Juni auf 300m Meereshöhe, keine 5km vom Meer weg. Wahnsinn! Also weiter auf der schönen kleinen Hauptpiste in die kleine Bucht, in der ein paar Sommerhäuser stehen (außerhalb des Sommers nicht erreichbar).


Von hier aus sind es gerade mal 300km bis Grönland. Das ist doch mal einen Pastis wert - natürlich mit Eiswürfeln.

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Nochmal: 3m hoher Schnee, auf 300m Meereshöhe, am 28. Juni!





Kultur, Hygiene und Islands "Camino de la muerte"

Wir besuchen das Naturkunde-Museums in Bolungarvik. In einer kleinen Ausstellung werden rund 100 ausgestopfte Vögel, ein Eisbär, ein Polarfuchs und Robben gezeigt. Außerdem Vogeleier und Gestein. Bei dem Eisbär handelt es sich um einen der unfreiwilligen Besucher, die immer mal wieder auf Eisschollen aus Grönland angeschwemmt werden und dann in Island erschossen werden. In den letzten Jahrhunderten gab es etwa 550 dieser Anlandungen, zuletzt 2011. Auf Bildtafeln wird über die alte Zeit des Walfanges berichtet. Seit ein paar Jahren zählt Island leider auch wieder zu den Walfangnationen, obwohl es nicht wirklich einen Grund dazu gibt. Manche sagen es sei nur deswegen, weil sich die Isländer nichts vorschreiben lassen wollen. Passend dazu liegen auch zwei Rippenknochen eines Blauwals aus. Dieser wurde vor rund 100 Jahren in den Westfjorden erlegt. Die Größe ist beeindruckend.

Auf weiteren Tafeln wird der Bau des Tunnels erläutert, durch den man von Isafjördur nach Bolungarvik kommt, das ansonsten isoliert liegt. Vor dem Tunnelbau hab es eine Straße eng an der Küste vorbei, die um drei sehr steile, hohe, aber nicht sonderlich stabile Berge führte. Jedes Jahr gab es unzählige Steinschläge und im Winter und Frühjahr verheerende Schneelawinen. Praktisch in jedem Jahr gab es Tote und Verletzte. Es wurde über 50 Jahre allerlei ausprobiert, um die Straße sicherer zu machen: Fangnetze, Steinbarrieren und selbst Mitte des 90er wurden noch besonders betroffene Stellen mit Betonbauwerken geschützt. Aber man bekam die Probleme nicht in den Griff und so wurde 2005 mit dem Bau eines über 5km langen Tunnels begonnen, der durch die 3 Berge durchführt. Die Straße wurde dann nach der Fertigstellung des Tunnels im Jahre 2011 gesperrt. Das hörte sich doch genau nach einem Weg nach unserem Geschmack an. Mal sehen...

Eigentlich wollten wir noch außerhalb von Bolungarvik die alten Fischerhäuser Ösver besuchen, aber dort reiht sich Bus an Bus, was uns doch verwundert. Später stellt sich heraus, dass das Kreuzfahrtschiff, welches noch in Isafjördur liegt, Gesellschaft von zwei weiteren dieser Riesenpötte bekommen hat. Welch sinnvolle Planung, wenn in eine Stadt mit rund 2600 Einwohnern, in deren Nähe es nur 2 Touristenattraktionen gibt und deren Flaniermeile etwa 100m lang ist, gleichzeitig die Passagiere von 3 Kreuzfahrtschiffen einfallen.
Also gleich ins Schwimmbad, ein wenig Körperpflege kann nicht schaden und außerdem ist der Besuch eines Schwimmbades in Island auch gleich Wellness pur. Meist gibt es einen oder mehrere heiße Becken (hier gleich drei davon). In diesem Fall steht uns auch eine finnische Sauna zur Verfügung. Herz was willst du mehr.

Nun wollen wir uns doch mal die alte Küstenstraße ansehen. Vielleicht können wir ja Heike doch die Rückfahrt durch den Tunnel ersparen. Es liegen ein paar kleinere und auch einige größere Steinbrocken herum und an einer Stelle ist die Fahrbahn bis zum Mittelstreifen weggebrochen. Aber wir passen mit dem LKW gerade so vorbei. Um die Steine müssen wir ab und zu etwas rumkurfen, aber alles in allem recht easy. Später erfahren wir, dass die Straße hin und wieder noch von Steinen geräumt wird, aber keine Unterhaltungsarbeiten mehr stattfinden. Wenn es an der Abbruchstelle also weiter bricht, war es das. Auch die Betonbauwerke sehen durch die vielen Steinschläge und die Unmengen Wasser die fast ständig drüber fließen nicht mehr wirklich gut aus. Hier wird also in wenigen Jahren nichts mehr gehen. Schade. Direkt am Endes des isländischen "Camino de la muerte" (für Nicht-Reisende: so heisst die "Straße des Todes" in Bolivien) finden wir einen schönen Stellplatz mit traumhafter Sicht auf den Fjord und die Hornstradir-Halbinsel, auf der noch gut Schnee liegt. Später am Abend kommen noch 3 Studenten zu dem Platz, mit denen ich noch lange quatsche und schließlich noch eine deutsche Familie auf Nachtspaziergang, welche schon seit 1985 nach Island kommt und mittlerweile hier ein Sommerhäuschen besitzt. So wird es ein langer und interessanter Abend.

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Hier sieht es noch gut aus. Von weitem sind schon die Betonbauwerke zu erkennen.

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Erste kleinere Steinbrocken.

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Sie werden größer...

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...upps.

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An einer Stelle ist die Hälfte der Fahrbahn weggebrochen.

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Der Beton der Bauwerke leidet unter den Steinschlägen und dem Wasser...

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Isafjördur, der Pass, der keiner mehr ist und Deutschland im Viertelfinale

Nach spätem Frühstück laufen wir eine Runde durch Isafjördur. Freundlicherweise  haben alle drei Kreuzfahrtschiffe die Bucht wieder verlassen und es ist wieder Ruhe eingekehrt. In einer Nebenstraße entdecken wir einen älteren Herrn , der in seiner Garage eine altes Fischerboot mit alten Techniken neu rekonstruiert. Auf meine Frage nach einem Foto bittet er uns herein und zeigt uns, was er da so macht. Die Verständigung ist schwierig, sein Deutsch ist so gut wie mein Isländisch, leider spricht er kein Englisch. Aber mit Händen und Füßen geht es.

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Isafjördur, Hafen: Hier ankern ein paar Segelschiffe.

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Typische Bauweise: Die Häuser sind mit Wellblech verkleidet.

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Na das sieht doch mal interessant aus...

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Alte Bauweise.

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Die Vorlage ist ein historisches Boot.

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Die Bretter werden mit einem alten System vernietet.

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Mit einem speziellen Hammer werden die Nieten gesetzt.



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Na der Besitzer wusste, wozu moderne Autos taugen: Höchstens als Anhänger hinter einem ordentlichen Modell... 😉





Kurzer Exkurs in die isländische Namensgebung

Traditionell hat Island ein anderes Namenssystem als wir es in Deutschland haben. Kinder bekommen einen Vornamen als Rufnamen. Hinter diesen wird die Abstammung väterlicherseits gestellt und zwar der Vorname des Vaters mit der Endung "son" bei einem Jungen und "dottir" bei einem Mädchen. Es gibt also keinen gemeinsamen Nachnamen. Auf diesem Grabstein, ist das ganz gut zu sehen:
Der Vater Ketill war der Sohn von Magnus. Seine Frau Helga die Tochter von Bjarna. Beide hatten einen Sohn Helgi, dessen Name Ketilsson (Ketil-s-son) nachgestellt wird. Dessen Frau Lara war eine Tochter von Tomas. Wenn ein Ehepaar also einen Jungen und ein Mädchen haben, sieht es aus unserer Sicht aus, als hätten alle vier verschiedene Nachnamen. Alles klar?
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Von Isafjördur geht unsere Fahrt Richtung Süden und da heißt es wieder einen Tunnel zu fahren. Dieser ist etwas skurril: ein drei Wege-Tunnel, der noch dazu einspurig ist und nur über Ausweichbuchten verfügt. Mitten drin biegt eine Abzweigung ab, die zu einem Fjord führt, zu dem wir auch wollen. Insgesamt ist der Tunnel schlappe 11 km lang. Das will ich Heike eigentlich ersparen. Vor dem Tunnelbau gab es einen alten Pass über die Berge. Mal schauen. Die drei Studenten, die wir am Vorabend getroffen haben, meinten, der alte Pass ginge nicht mehr. Wir versuchen es trotzdem und tapfer kämpft sich unser "Schneggsche" in der Untersetzung vom Meeresspiegel auf rund 500m Höhe. Dort war der Abzweig Richtung des Fjordes. In einer Senke der Piste liegt noch ein Schneefeld. Da wühlen wir uns durch. Immer wieder vor und zurück, hier merkt man doch das hohe Gewicht und die wenige Kraft (des Autos, nicht des Autors!). Geht aber. Nach ca. einem weiteren Kilometer kommen wir zur ersten Serpentine, die in den Fjord herab führt. Eine recht steile 180°-Kehre, in der auch noch ein Schneebrett liegt. Da geben wir auf, zu groß ist die Gefahr, dass der LKW auf dem Schneebrett seitlich rutscht. Schade. Also zurück zum Abzweig (wieder durch das bereits bewältigte Schneebrett zurück) und weiter auf die endgültige Passhöhe (622m) Richtung Süden. Aber kurz hinter der Passhöhe ist die Piste gesperrt und die nächsten 200m sind mit Schneeverwehungen bedeckt. Sch... Also den ganzen Weg zurück und nach rund 90 Minuten sind wir wieder da, wo wir angefangen haben. Also doch durch den Tunnel. Heike wird darin immer besser. Die Durchfahrt macht ihr trotz Gegenverkehr nicht mehr viel aus.

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"Schneggsche" am Abzweig Richtung Fjord.

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Hier kehren wir lieber um.

Nun stehen wir wieder an einem wunderschönen Platz vorne am Fjordeingang, der Nordatlantik brausst gegen die niedrigen Klippen, das Wetter wechselt im Minutentakt zwischen Sonne und Regen. Uns geht es gut.

Im Liveticker verfolge ich das WM-Achtelfinale Deutschland gegen Algerien. Nach dem 2:1 Endstand können wir schließlich unseren Sundowner trinken, was wir sicherheitshalber bis nach dem Spiel verschoben haben.  🙂

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Einsamer Platz am Meer.

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Der Atlantik rauscht gegen die Klippen. Kein Wunder, dass die Isländer immer an Geister und Trolle glaubten...





Tunnel 2. Abschnitt, Regen, Sturmwarnung

Zunächst geht es durch den Tunnel zurück aus dem Suganda-Fjord. Im Tunnel nehmen wir den Abzweig Richtung Süden.

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Haben wir so auch noch nicht gesehen: Abzweig mitten im Tunnel.

Wir besuchen Flateyri, eine kleine Stadt im Fjord Önundar. Hier wurde 1889 von einem Norweger die größte Walfangstation im Nordatlantik gegründet. Bereits 1901 brannte die Station ab. Der Inhaber begann mit dem Neuaufbau, doch nachdem der neue Schornstein errichtet war, verlegte er seine Aktivitäten in den mittlerweile ertragreicheren Osten.

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Der "neue" Schornstein der alten Walfangstation.



Die steilen, hohen Berghänge hinter Flateyri bieten eine beeindruckende Kulisse, brachten aber 1995 großes Unheil über den Ort. Im Oktober des Jahres rauschte eine gewaltige Lawine in den Ort und zerstörte zahlreiche Häuser. 20 Menschen kamen dabei ums Leben. Ein Gedenkstein neben der Kirche erinnert an die Gestorbenen. Heute schützt ein Lawinenschutzwall den Ort und soll abgehende Lawinen am Ort vorbei leiten.

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Gedenkstein und im Hintergrund erkennt man den Lawinenschutzwall. Tragisch: Eine Familie wurde komplett ausgelöscht, zwei 30 jährige Eltern und deren Kinder im Alter von einem, drei und vier Jahren.





Mittlerweile hat Regen eingesetzt und wir biegen auf die Straße 624 am Dyrafjördur ein und suchen uns einen Stellplatz mit Fjordblick. Für heute Nacht und morgen gibt es eine Sturmwarnung. Vielleicht bleiben wir also auch einen Tag länger stehen. Mal sehen.

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Zum Schluss noch, was nicht fehlen darf: Islandpferde

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