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Island(3): Im Norden von Osten nach Westen

Halbinsel Langanes

Auf der Rückfahrt vom Leuchtturm in Fontur schauen wir uns die Halbinsel Langanes etwas genauer an. Die Küste hier im Norden wird auch gerne als "Treibholz-Küste" bezeichnet. Hier landet ständig Treibholz von der russischen Küste an. Über Jahrhunderte war dies das einzige Bauholz in Island und so wurden beim Hausbau die tragende Konstruktion mit Treibholz und der Rest mit Torf oder Lavagestein gebaut.

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An vielen Stellen türmt sich das Treibholz mächtig auf.



Wir besuchen auch die Überreste der ehemaligen Fischersiedlung Skalar. Zur Blütezeit in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts lebten hier 118 Personen. Die Fischgründe waren gut, der Ort lag ideal für den Fischfang. Auf dem Landweg jedoch kaum zu erreichen. Mit Aufkommen motorisierter Fischerboote, wurde die Notwendigkeit in dieser unwirtlichen Gegend zu leben, geringer. So verlor der Ort immer mehr Einwohner. Während des zweiten Weltkrieges wurden auch noch 2 Seeminen angeschwemmt, die sich aus ihrer Verankerung gerissen hatten. Die Explosionen zerstörten zwei Gebäude. 1946 war der Ort schließlich verlassen. Eine Familie siedelte sich 1948 wieder an und blieb bis 1954, gab dann aber auch auf. Wir streiften durch die Ruinen und lassen die Szene auf uns wirken. Ein seltsames Gefühl. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mir den noch bewohnten Ort vorstelle.

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Skalar früher (um 1940) und heute... (die rote Hütte ist eine Notunterkunft für Wanderer)



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Immer wieder Wasservögel an der meist steilen Küste (in diesem Fall Basstölpel)



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An der gegenüberliegenden Seite von Skalar, finden sich in mitten des russischen Treibholzes auch die Reste eines Schiffes am Strand verstreut

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Extra für Britzi. So schön kann Rost sein. 😉



Öxarfjördur und der Gletscherfluss Jökulsa a Fjöllum

Im Südosten Islands liegt der Vatnajökull, der größte Gletscher Europas und die nach Antarktis und Grönland größte Eismasse des Welt. Quer durch Island bahnt sich das tiefgraue Schmelzwasser als Fluss Jökulsa den Weg von Süd nach Nord. Die Jökulsa schwemmt im Sommer rund 23.000 Tonnen schlammiges Material ins Meer, pro Tag! An mehreren Stellen gischtet das Wasser in tiefen oder breiten Wasserfällen hinab. Klar, dass wir uns das ansehen wollen. Zunächst übernachten wir im Schwemmlandgebiet in der verzweigten Mündung. In dieser Nacht wird es ja hoffentlich nicht zu einem der verherrenden Gletscherläufe kommen, die entstehen, wenn sich große Wassermassen unter dem Gletscher sammeln (z. B. Schmelzwasser durch vulkanische Aktivität) und sich dann durch die Eisbarriere brechen. In diesen Fällen werden Brücken und Straßen weggeschwemmt, weil ein Vielfaches des sonst fließenden Wassers durch die Flußläufe tobt. Aber wir sind da ganz optimistisch. Kaum stehen wir an unserem Übernachtungsplatz, sitzen gemütlich - jeder ein Glas Pastis in der Hand - als Heike einen großen Vogel im Fluss entdeckt. Schnell stellt sich heraus, dass dieser nicht fliegen kann und landläufig eher als Seehund bezeichnet wird. Dieser schwimmt gemütlich aus dem nahen Meer diesen Flusslauf hinauf und wundert sich, über das große beige Wohnmobil, das da am Ufer steht. Den ganzen Abend können wir den netten Kerl beobachten und er lässt auch uns nicht aus den Augen. Er schwimmt aber mehrfach flussauf und -ab an uns vorbei, offensichtlich doch ganz schön neugierig. Schön.

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Was machen die denn hier an meinem Fluss?



Am nächsten Tag machen wir uns dann auf, um uns die 3 Wasserfälle hier anzuschauen: Hafragilsfoss, Dettifoss und Selfoss. Nach den Tagen der Einsamkeit merken wir recht schnell, dass wir uns hier im Tourigebiet befinden. Auf den Parkplätzen finden sich nacheinander Busse mit Pauschaltouristen ein. So erleben wir - neben den unbestreitbar schönen Wasserfällen - auch die "Segnungen" des Massen-Pauschaltourismus. Den Vogel ab schiesst ein TUI-Bus (Beschriftung "Ausflug Hochland - Gletscher - Naturwunder") mit einer - natürlich deutschen - Reisegruppe. Nicht nur, dass man nur den Hafragilsfoss direkt von seinem Parkplatz aus sehen kann. Zum Dettifoss muss man ca. 400m laufen, ist doch schon eine Frechheit. Und auf dem Fussweg liegt noch an einer Stelle ca. 3m breit eine dünne Schneeschicht. Tatsächlich beschwert sich eine Touristin: "Die hätten hier aber wirklich den Schnee räumen können". Es ist zum Fremdschämen!



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Der Gletscherfluss Jökulsa a Fjöllum hat an manchen Stellen einen beachtlichen Canyon gegraben (bzw. gebrochen)



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Hafragilsfoss (der es den Touris leicht macht - direkt vom Parkplatz aus zu sehen). Der Touribus hält an ohne den Motor abzustellen. Die Touris stürzen raus, knipsen, wieder rein und weg. Grotesk.



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Dettifoss - mächtigster Wasserfall Europas.



Okay geht auch in schön, ohne die hässlichen Touris im Vordergrund...



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Und der Selfoss. Unser Favorit. Auch weil kaum ein Touri die 1,4 km Fusswegstrecke (einfach) auf sich nimmt... 😉





Myvatn, Krafla - eine der Stellen, an denen Island brodelt

Weiter geht es ins Geothermalgebiet rund um den Vulkan Krafla in unmittelbarer Nähe des Myvatn (warum der See Myvatn - Mückensee - heisst, wissen wir jetzt!). Hier werden die typischen Vorstellungen, die man von Island hat, bedient. An vielen Stellen blubbert und brodelt es. Heiser Dampf steigt auf, Schlammvulkane blubbern vor sich hin und die Erde ist farbenfroh, von den verschiedenen Stoffen, die der Boden zu Tage fördert.



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Der Wasserfall Aldeyarfoss, die Lichtmaschine, der Wasserfall Godafoss und königlicher Besuch

Am Myvatn haben wir wieder Florian und Patrick getroffen und nach einem eher unspektakulären Spaziergang um die Pseudokrater, die am Südrand des Sees liegen, beschliessen die beiden, mit uns zum Wasserfall Aldeyarfoss zu fahren (zu dem muss man Schotterpisten fahren, was uns vor den meisten Pauschaltouris schützen sollte). So holpern wir mit zwei Fahrzeugen auf immer kleineren Pisten bis nahe an den Wasserfall (an der Ostseite). Dort angekommen, helfen die beiden, unser Fahrerhaus zu kippen. Schließlich will ich noch die Halterung demontieren, die uns vor ein paar Tagen die erste Reparatur aufgezwungen hatte. Nach getaner Arbeit könnte ich, jetzt da das Fahrerhaus gekippt ist, auch gleich mal an der Lichtmaschine den Anschluss des Drehzahlmessers durchmessen. Dieser ist nämlich am Tag vorher ausgefallen. Also Motor anlassen, aber der Anlasser lässt nur noch ein leise Röcheln hören. Klasse. 3 km von der nächsten Schotterpiste und rund 30km von der nächsten Straße entfernt. Passt ja. Batterie gemessen, üppige 22V. Also übernacht laden, morgen zur Strasse schaffen und dann mal sehen. Nun schauen wir uns erstmal den Wasserfall an und laden anschließend die beiden Mitfahrer zum Abendessen in unser Auto ein. Natürlich werden auch die Vorräte an Hochprozentigem verkostet, die sie und wir mitführen.

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Der Aldeyarfoss. Schön anzusehen. Auch die Basaltformationen links im Vordergrund.



Am nächsten Morgen dann hoffnungsvoll am Zündschlüssel gedreht und willig springt unser Schneggsche wieder an. Also Licht auslassen (ist in Island auch am Tag Pflicht) und zunächst mal wieder Richtung Zivilisation. Alles wird gut (gell, Achim). Die Piste trifft unmittelbar am Wasserfall Godafoss auf die Ringstraße. Dort auf den Parkplatz. Zunächst mal den Wasserfall angeschaut. Dann noch mal Fahrerhaus gekippt und ans Werk. Als ich den Regler der Lichtmaschine ausbaue, sieht man gleich die Ursache des Problems: Eine Kohle des Reglers ist abgebrochen. Uff, nochmal Glück gehabt. So einen Regler hat man schließlich als Ersatzteil dabei. Schnell ist dieser eingebaut und alles ist gut (auch der Drehzahlmesser geht wieder).



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Der Godafoss - Wasserfall der Götter



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Hier wird geschraubt.

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Heike ist für das Starten im gekippten Fahrerhaus zuständig (demnächst auch im Zirkus Sarrasani zu sehen...)



Nach getaner Arbeit laufen wir noch etwas herum und wundern uns, als plötzlich 4 Polizeiautos mit Blaulicht heranbrausen. Kommen die wegen uns? Unerlaubte Reparaturarbeit auf dem Touristenparkplatz? Aber Entwarnung. Sie eskortieren die schwedische Prinzessin Victoria, die sich auf Staatsbesuch den Godafoss anschaut - und notgedrungen unser Auto. Wäre die mal etwas früher gekommen, wir hätten Hilfe beim Kippen des Fahrerhauses gebrauchen können 😉



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Typische frühere Bauweise: Grasdächer, Vorderfront Holz, Seiten und Rückwand aus Torf oder Lavasteinen





Besuch in Husavik, dem Walbeobachtungszentrum

Wir besuchen auch Husavik. Hier wollen wir eigentlich an einer WhaleWatching-Tour teilnehmen (wenn man schon mal hier ist). Das Wetter lädt allerdings nicht dazu ein, 3 Stunden in einem offenen Boot durch die Bucht zu fahren. Zunächst stellen wir uns auf einen Parkplatz nördlich von Husavik. Dieser liegt etwas erhöht und man kann die gesamte Bucht und den Bereich, den die Boote abfahren, übersehen. In der Hoffnung auf besseres Wetter sitzen wir mit Ferngläsern bewaffnet im Fahrerhaus und starten eine Walbeobachtungsboote-Beobachtung. Aber es ist klar erkennbar, dass keine Wale gesichtet werden. Die Boote fahren mit Vollgas hin- und her, keines der Boote stoppt oder verlangsamt die Fahrt (was diese tun, wenn Wale gesichtet werden). Das Wetter wird auch nicht besser, so beschließen wir, die EUR 200,- nicht zu investieren. Lustig ist, dass die drei Unternehmen, die WhaleWatching anbieten, alle mit einer Sichtungsquote von 97-98% werben. Es wird also suggeriert, dass man praktisch auf jeden Fall welche sieht, wenn nicht hat man eben zu den 2-3% Pechvögeln gehört (Narhallamarsch!).





Wanderung Hraunsvatn

Um die müden Knochen in Schwung zu bringen, wollen wir mal wieder wandern. Direkt von der Ringstraße aus, kann man in einer zweistündigen Wanderung zum See Hraunsvatn wandern. Allerdings sind dabei rund 350 Höhenmeter zu überwinden, für uns, der wir doch die Segnungen der Erfindung von Rudolf Diesel gewohnt sind, schon eine Herausforderung. Zumal der Weg mehrfach durch Schneefelder versperrt ist, die umgangen oder überquert werden müssen.



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Heike beim Umwandern eines Schneefeldes. Der Weg wäre eigentlich am linken Bildrand gewesen, aber da ist der Schnee noch rund 3m dick.



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Der kleine See liegt vor schroffen Felsformationen. Von dem spitzen Berg Hraun hat er seinen Namen.



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Wieder im Tal angekommen, sehen wir rückblickend, wie schnell sich in den Bergen die Sicht ändern kann. Das Gebiet in dem wir eben noch unterwegs waren, liegt dicht verhüllt. Timing ist eben wichtig 😉





Halbinsel Skagi

Auf einer einsamen Schotterpiste umrunden wir die Halbinsel Skagi. Mehrfach stoppen wir, um uns an der Steilküste umzusehen.



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Das Trollweib. Trolle spielen in der isländischen Mythologie eine große Rolle. Diese treiben bei Nacht ihr Unwesen. Bei Tageslicht erstarren sie zu Stein. So ist es diesem Trollweib ergangen.



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Papageientaucher. Noch sehen wir sie nur von weitem und im Wasser. Offenbar ist es noch zu früh im Jahr, um sie am Ufer brüten zu sehen.



Nachmittags finden wir bei schönstem Wetter einen klasse Stellplatz direkt am Meer. Wir erfreuen uns stundenlang an einer Gruppe Seehunde, die umherschwimmen oder faul in der Sonne liegen (Figurenvergleiche mit dem Autor sind völlig fehl am Platze!)

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4 Gedanken zu „Island(3): Im Norden von Osten nach Westen

  1. AvatarBritzis

    Wunderschön
    da kriegt man Schluckbeschwerden
    weiterhin alles gute und tolle Sicht
    liebe grüße
    die britzis

  2. AvatarKerstin

    Hallo Ihr Vagabunde.... das iss ja traumhaft! Unglaublich ..... Ihr hann recht ;-))

    Alles Liebe und viele Grüße aus der Heimat, Kerstin

  3. AvatarPöhner , Klaus

    Hallo , gibt es da mal einen Vortrag ???..würde ich mir ansehen..!!

    LG

    KlausP.

  4. Avataradmin

    Wird es geben, z. B. beim Karpatenwilli-Treffen (www.karpatenwilli.com) in der Nähe von Oberhof am 09.04.2015

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