Reiseinfo Iran (Stand: Mai 2016)

Iran, Reiseinfos für Selbstfahrer, Stand Mai 2016

Einreise
Für den Iran wird ein Visum benötigt, für das Fahrzeug zwingend ein „Carnet de passage“ (Zolldokument). Das Carnet gibt es in Deutschland über den ADAC. In Abhängigkeit des Fahrzeugwertes muss eine Kaution hinterlegt werden, die man nach ordnungsgemäßen Abstempeln des Carnets im Iran (Ein- und Ausreise muss gestempelt werden) und Vorführung beim deutschen Zoll nach der Reise, zurück erhält. Leider ist die Kaution für den Iran sehr hoch.
Wir sind aus der Türkei über den Grenzeingang Barzagan eingereist (Hauptgrenzübergang aus der Türkei). Die Abwicklung war unproblematisch, die Zöllner sehr freundlich und hilfsbereit. Nervend sind die vielen „Schlepper“, die versuchen ihre Dienste aufzudrängen. Man braucht diese Hilfe nicht, die Zöllner helfen einem weiter, zeigen, wohin man als nächstes muss. Blöd ist, dass nicht alle Beamten in Uniform sind und somit schwer von den „Schleppern“ zu unterscheiden sind (wie leider oft an Grenzübergängen). Die ganze Prozedur hat bei uns etwa 90 min gedauert. Hilfreich ist, wie meist, wenn man Kopien von Reisepass und Visum zur Hand hat. Es wurde von uns kein internationaler Fahrzeugschein verlangt (hätten wir auch nicht gehabt).
Die Fahrzeugkontrolle war nicht wirklich gündlich, da hatten wir mit mehr gerechnet. Nach Alkohol wurden wir gefragt (Einfuhr und Genuß verboten!). Unser Nein wurde akzeptiert, es wurde nicht danach gesucht.

Ausreise
Wir sind über den Grenzübergang Bajgiran nach Ashgabat/Turkmenistan ausgereist. Die Abwicklung auf iranischer Seite war schnell und unkompliziert. Das Fahrzeug wurde auf iranischer Seite nicht untersucht.

Fahrzeugversicherung
Diese ist obligatorisch. Wenn man eine grüne Versicherungskarte hat, auf der der Iran nicht gestrichen ist (selten), wird diese akzeptiert. Ansonsten muss man eine Versicherung abschließen. Kostete für unsere Mitreisenden ca. 35 EUR pro Monat (wir sind mit der grünen Karte gefahren). Da wir 35 Tage bleiben wollten, mussten 2 Monate abgeschlossen werden. Das Gebäude der Versicherung ist etwa 2 Kilometer vom eigentlichen Grenzübergang entfernt, unmittelbar bevor man den Zollbereich verlässt (Schranke) auf der linken Seite (Steingebäude „Iran insurance“). Vorher ist schon eine Halle mit Abfertigungsschaltern wohl für Warentransporte (wenn man die abschüssige Straße vom Zollgebäude herunterfährt, linker Hand). Dort wollte man uns eine viel teurere Versicherung andrehen, also diese Halle links liegen lassen.

Tanken
Diesel kann im Iran nur mit einer entsprechenden Karte getankt werden. Früher war der Kauf einer Dieselkarte an der Grenze wohl obligatorisch, heute nicht mehr. Tanken war nie ein Problem. Die Tankwarte haben eine Dieselkarte (hatten bei uns alle Tankstellen, die wir angefahren hatten) und stellen diese zur Verfügung. Als Ausländer tankt man dann zum doppelten Tarif (Einheimische 3000 Rial pro Liter, Ausländer 6000), was aktuell etwa 16,5 Cent pro Liter entspricht. Mit viel Glück findet man einen LKW-Fahrer, der seine Karte ausleiht, dann kann man für 8 Cent tanken, ist aber wohl die Ausnahme, da die aufgebuchten Mengen auf die Karten wohl kontigentiert sind, bzw. die Fahrer in ihrer Firma Rechenschaft ablegen müssen. Man findet im Netz immer wieder die Aussage, dass man vor der Stadt Täbriz nicht tanken könne, das können wir nicht bestätigen. Die Schlepper erzählen das auch gerne. Auch, dass die Tankwarte den gleichen Preis berechnen, wie im Herkunftsland des Fahrzeuges. Das ist alles Quatsch. Sie können natürlich Diesel für die Hälfte des deutschen Preises besorgen… 😉
Also entspannt fahren und Diesel tanken.

Geld
Kredit- und Visakarten funktionieren nicht. Bargeld am Automaten kann man damit nicht abheben. Man muss also ausreichend Bargeld mitnehmen. Getauscht haben wir immer in mehr oder weniger offiziellen Wechselstuben („sarafi“). Diese haben einen offiziellen Kurs, den man auch im Internet aufrufen kann. Es gibt wohl auch keinen wirklichen Unterschied zum Schwarzmarkt, wenn man da überhaupt was findet. Bei Banken soll das Tauschen langwierig und mit viel bürokratischem Aufwand verbunden sein. In den sarafi-Wechselstuben ist das nicht so: Geld hinhalten, der zählt nach, gibt iranisches Geld raus, fertig. Euro ist kein Problem, US-$ sind nicht notwendig.
Der iranische Rial ist nicht viel wert, man wird sofort zum Millionär. Der Wechselkurs lag bei ca. 40.000 Rial für einen Euro. Größter Schein ist eine 500.000 Rial-Note, die eigentlich kein Geldschein, sondern ein Bank-Checque ist. Dieser wird aber genau wie ein normaler Geldschein verwendet, man merkt keinen Unterschied.
Eine Besonderheit ist, dass praktisch alle Preise nicht in Rial, sondern in Tuman angegeben sind (1 Tuman = 10 Rial). Auch wenn auf Zapfsäulen oder Waagen das Wort Rial steht, sind in aller Regel Tuman gemeint. Also muss man gedanklich immer alle Preise mal 10 rechnen, um den Rial-Preis zu haben.

Sicherheit
Wir haben uns im Iran immer sehr sicher gefühlt. Auch in großen Städten haben wir ohne jegliche Bedenken in der Regel frei gestanden (auf irgendeinem Parkplatz, einer Seitenstraße oder gerne an einem der vielen Parks). Wir hatten nie ein ungutes Gefühl. In anderen Ländern machen wir das in großen Städen weniger gerne bis gar nicht, im Iran jedoch ohne Bedenken. Die Polizei und die Behörden waren stets freundlich, kontrolliert wurden wir sehr selten, an den Checkpoints in der Regel durchgewunken. Alles ohne Probleme.

Kleidung
Der Iran ist eine islamische Republik, mit teils strengen Regeln. Frauen müssen ein Kopftuch (Hijab) tragen und weite Kleidung, die nicht figurbetonend ist, z. B. ein weites Oberteil, welches bis Mitte Oberschenkel reicht. Das Kopftuch muss nicht „streng“ getragen werden. Auch bei Iranerinnen schauen häufig vorne die Haare heraus. In manchen Moscheen und Heiligtümern müssen Frauen einen Chador tragen (ein Ganzkörperumhang, Gesicht beibt frei). Dieser wird dort in der Regel gestellt. Manchmal darf man ihn auch mitnehmen (war bei uns in Masshad so). Iranerinnen tragen recht häufig einen schwarzen Chador.
Männer tragen lange Hosen (kurze sind tabu). T-Shirt oder kurzärmeliges Hemd ist okay.

Verkehr/Straßen
Das Straßennetz ist gut ausgebaut und in recht ordentlichen Zustand. Innerorts gibt es viele Bodenwellen („Bumpees“) um die Geschwindigkeit zu begrenzen. Die Dinger sind oft richtig fies und gerade für straff gefederte Allrad-LKWs eine Tortur. Auf manchen Autobahnen wird Maut verlangt (nicht hoch und wir wurden häufiger durchgewunken und mussten nichts zahlen).
Der Verkehr in den Städten ist mörderisch. Alle Fahren wie die Sau. Auf zwei spurigen Straßen oft in Viererreihen. Blinker werden nicht benutzt. Auf der rechten Spur wird oft in zweier Reihen unvermittelt angehalten oder geparkt, genauso einfach losgefahren, auch aus Seitenstraßen. Die rechte Spur also eher meiden. Es ist generell eine hohe Aufmerksamkeit des Fahrers erforderlich!

Telefon/Internet
Man kann als Ausländer eine Simkarte für Telefonie und Internet kaufen (Kopie des Reisepasses erforderlich). Die beste Netzabdeckung hat wohl irancell (Kostenpunkt für 30 Tage und 5GB Volumen ca. 10 EUR). Wir konnten jedoch damit nur im Land telefonieren. Gespräche/SMS von und nach Deutschland waren auch mit unseren deutschen Sim-Karten nicht möglich, obwohl ein Roaming-Netz angezeigt wurde. Wir haben immer mit Whatsapp oder Skype (mit Guthaben auch billig zu Festnetzanschlüssen in der Heimat) telefoniert. Auf dem Land ist die Geschwindigkeit meist sehr mäßig, in den Städten in der Regel 3G oder 4G. Die meisten Webseiten gingen problemlos. Facebook ist jedoch z. B. gesperrt. Wir haben – wie alle praktisch alle Iraner auch – dafür ein VPN benutzt (machen wir sowieso häufig für sensible Dinge wie z. B. Online-Banking). Damit ging es problemlos.

Reisen im Land
Der Iran hat vieles zu bieten: Natur, tolle Landschaften, Kultur, Historisches. Aber für uns waren die Menschen das ganz Besondere. Wir haben noch nirgendwo so freundliche und offene Menschen getroffen. Viele winken, hupen. „Welcome in Iran“ hört man von allen Seiten. Die ganzen Einladungen zum Picnic und nach Hause kann man gar nicht alle annehmen. Oft bekommen wir Tee, Essen oder Obst ans Auto gebracht. Wenn man Hilfe benötigt (z. B. Schaden am Auto), reißen die sich fast ein Bein aus, um zu helfen. Oder es nimmt sich jemand extra einen Tag von der Arbeit frei, um „seine“ Stadt zu zeigen. Einfach toll. Wir hatten vorher schon viel von dieser Freundlichkeit gehört und gelesen, aber unsere Erwartungen wurden noch weit übertroffen. Ein tolles Reiseland.


Anmerkung:
Die hier genannten Informationen stellen unsere Erfahrungen dar. Wir können und wollen für die Infos nicht garantieren und haben auch nicht „die Weisheit mit Löffeln gefressen“. 😉
Wir geben nur einfach unsere Erfahrungen weiter, vielleicht kann ja jemand etwas damit anfangen…