Projekt MAN 8.136 – Teil 2 – Ausbau Wohnkoffer – Zeppelin Shelter FM2

Nun beginnen die Arbeiten am Wohnkoffer. Dieser wird zunächst „entkernt“, d. h. alle Einbauten entfernt. Dazu gehören auch die genieteten Alu-C-Schienen, an denen die Bundeswehr die gesamte Ausrüstung befestigt hatte. Über 700 Nieten wollen aufgebohrt werden…

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Aus dem Koffer wird ein schweizer Käse. Rund 30 Öffnungen (Fenster, Tür, Stauraumklappen, Wasserversorgung, Stromanschluss, …) werden mit der Stichsäge geschnitten.

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Nach dem Ausschneiden der Öffnungen lackieren wir den Koffer in hellem Beige. Heike rollt hier das Dach.

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Auf der Innenseite haben wir mit wasserfestem Stift die Umrisse der Einbauten aufgemalt.

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Blick nach hinten. Man sieht unten rechts und links die beiden Klappen für den großen Stauraum (unter dem späteren Bett), 3 Fensteröffnungen (eine in der urspünglichen, nun nicht mehr benutzten Tür), das große Dachfenster (über dem Bett für den Sternenblick) und rechts eine der beiden Einfüllöffnungen der Wassertanks. Die Rückwand und die alte Tür haben wir noch zusätzlich isoliert und mit einer dünnen Holzplatte verkleidet. Später wird der Koffern innen mit Glasfasertapete beklebt und mit Latexfarbe gestrichen.

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Einbau eines Fensters. Nach langem Suchen haben wir Wohnmobil-Fenster mit Aussenrolladen gefunden (werden seit Jahren nicht mehr produziert). Wir hoffen, dass sie sich bewähren.

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Wieder Blick nach hinten. Zuerst der erhöhte Sitzbereich, dahinter das noch höher gebaute Bett. Unter beidem entsteht so wichtiger Stauraum. Hinter der rechten Sitzbank erkennt man die beiden Wassertanks (je 130 Liter). Alle Möbel sind mit durchgehenden Schrauben und Stoppmuttern gebaut. Es soll ja alles rüttelfest sein. Zu Schrauben, die nur ins Holz gedreht sind, hätte ich da kein Vertrauen. Das verwendete Holz ist Birke-Multiplex in 15mm. Sicher gebe es leichtere Möglichkeiten, aber Pappel gefällt uns nicht und die Haptik muss stimmen. Da nehmen wir die zusätzlichen Kilos in Kauf. Das Holz wird mit einem Hartwachsöl behandelt (das hier sichtbare vordere Brett ist noch unbehandelt.

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Vorne auf der Fahrerseite sind Gaskasten, Kompressorkühlschrank und Backofen übereinander angeordnet. Der Gaskasten ist von aussen über eine Klappe zu erreichen, nimmt 2 11kg-Flaschen auf und wird zum Innenraum natürlich noch verschlossen. Im Vordergrund erkennt man die Tür des späteren Durchstieges zum Fahrerhaus.

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Die Wassertanks sind nochmal ausgebaut und werden mit Entnahmeeinheiten und Tankgebern ausgerüstet. Hier sind dünne Arme gefragt, um die Schrauben zu kontern. Ich komme dafür nicht in Frage, aber Heike.

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Das „Badezimmer“ (Dusche und Toilette) kommt in den Eingangsbereich, d. h. man geht „durch die Dusche“ in den Wohnaufbau. Das hat aus unserer Sicht viele Vorteile: Man spart sich den Platz für einen eigenen Raum, wenn man mit nassen Kleidern und Schuhen ins Fahrzeug kommt, kann man dort gleich die nassen Sachen ausziehen und aufhängen und nach dem Duschen kann man durch das Öffnen der Aussentür schnell die Feuchtigkeit loswerden. Die Edelstahl-Duschwanne wird ein Stück in den Boden eingelassen. Hier schneide ich gerade den Ausschnitt dafür in die obere Bodenschicht.

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In den Küchenunterschränken findet einiges an Technik Platz: Die Diesel-Standheizung, der Gas-Warmwasserboiler, die Elektro-Hauptsicherung und die Gas-Notheizung (für den Fall, dass die Hauptheizung ausfällt oder für große Höhen, in denen die Dieselheizung ggf. nicht funktioniert).

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Ein Teil der Technik und die empfindlichen Heizungsrohre verschwinden unter dem Schrankboden. Die Zwischenwände sind montiert. Es fehlt noch die Arbeitsplatte…

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Weiter geht es mit dem Möbelbau.

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Blick auf einen Teil der Sitzecke, hinten das Bett. Hinter der Sitzbank auf der Fahrerseite entsteht noch ein Hochschrank für die Kleidung.

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Die Decke isolieren wir noch zusätzlich. Wir sind beide nicht groß, deshalb brauchen wir die 1,91m Stehhöhe, die der Shelter bietet, nicht. So haben wir besseren Schutz vor heißer Sonne und können unsere LED-Einbauleuchten versenken. Über dem Backofen (der auch eine Grillfunktion hat) isolieren wir mit hitzebeständigem Material. Hier strömt beim Grillen sehr heiße Luft heraus. Abgedeckt wird der „Hitzschild“ später mit einem Edelstahllochblech.

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Küchenoberschränke und Kleiderschrank sind fertig. Im oberen Teil des Schrankes befindet sich die Schaltzentrale.

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Und so sieht der Küchenunterschrank aus.

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Die Schiebetür dient dazu, unser „Badezimmer“ abzutrennen (Dusche und WC befinden sich im Eingangsbereich).

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Der verbleibende Boden – viel ist ja nicht mehr übrig – muss auch noch belegt werden.

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Zunächst eine Schicht Dämmung/Isolierung…

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… darauf kommt dann Kork. Finden wir am angenehmsten.

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Außen wird noch eine Markiese montiert. Die Halterungsschiene verkleben und nieten wir.

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Nun steht noch der Bau eines Durchganges zwischen Wohnkoffer und Fahrerhaus auf dem Plan. Zunächst Scheibe entfernen, Maß nehmen und…

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… Flex ansetzen.

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Ins Fahrerhaus wird ein Rahmen mit einer Klappe eingesetzt. Die Klappe ist im Fahrbetrieb geschlossen und schwingt beim Öffnen durch einen Gasdruckdämpfer nach oben, der diese dort auch in Position hält.

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Nach hinten wir ein weiterer Rahmen aufgesetzt, der den Abstand zum Koffer überbrückt.

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Der Rahmen drückt ein Gummiprofil gegen den Koffer. Um die Reibung bei der ständigen Bewegung zu verbessern, kleben wir später noch ein dünnes Edelstahlblech auf den Wohnkoffer.

Wir finden diese Lösung eines Durchganges als ideal. Man braucht keinen Schlauch aus LKW-Plane oder Faltenbalg (die oft nicht lange halten). Außerdem ist der Bewegungsweg des Koffers durch unsere Dreipunkt-Lagerung recht weit, da müsste ein Schlauch oder Faltenbalg schon recht lange sein, um die Bewegungen mitzumachen. So muss man auch nichts abschrauben, wenn man das Fahrerhaus kippen will. Natürlich ist diese Lösung nicht hundertprozent wasser- und staubdicht. Doch das stört uns nicht. Wir haben im Koffer eine absperrbare, dichte Tür und ebenso zum Fahrerhaus hin. Eigentlich brauchen wir also gar keinen geschlossenen Durchgang. Beide Türen auf, durch, fertig. Im Übrigen ist die zusätzliche Klappe/Tür im Fahrerhaus ein Segen, was die Geräuschkulisse beim Fahren angeht. Der Unterschied zwischen offener und geschlossener Klappe ist immens.

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Hier ist schon der Kleber für die Edelstahl-Reibfläche aufgebracht.

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Nun kann endlich das Fahrerhaus lackiert werden. Unter unserem Carport bauen wir dazu eine „Lackierkabine“ aus Bettlaken. Dazu müssen einige Laken herhalten.

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Da die Türverkleidungen in schlechtem Zustand sind, werden neue aus Kunststoff hergestellt.

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Deutsche Wertarbeit. So sieht die Originalverkabelung im Fußraum aus. Furchtbar. Wenn Zeit ist, muss das mal ordentlich gemacht werden…

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Vorne bauen wir eine Seilwinde an. Wohl wissend, dass man sie meist eher hinten braucht und eine Seilwinde nicht immer hilft. Aber Freunde von uns haben ihre bei ihrem LKW schon einmal gebraucht und diese eine Bergeaktion wäre schon teurer gewesen, als die Winde kostet…

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Eingesetzt wird die Winde in einen Kasten, der komplett hinter der Stoßstange verschwindet, nur das Seilfenster und die Bedienelemente schauen noch heraus. Passt.

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Ich mache mir noch die Arbeit und baue einen Dachträger. Hierzu verwende ich Träger des Thule „Professional System“ (für Handwerker, die Profile sind für 200kg ausgelegt). Diese tragen ein Alu-Riffelblech, dass als Tropendach dienen soll. Am vorderen Träger hängen 4 Lampen als Zusatzbeleuchtung. Auf die Fahrerseite kommt oben eine Alubox, die unser Paddelboot aufnimmt. Bei größeren Reisen, soll auf der Beifahrerseite ein zusätzlicher Reifen (ohne Felge) mitgeführt werden.

Ist alles Geschichte. Bei unserer ersten Reise mit dem Auto nach Island, hat sich das Thule-System zerlegt. Und das obwohl wir den Trägern nur rund 50kg zugemutet hatten. Aber die ständigen Vibrationen auf den isländischen Rüttelpisten, haben dazu geführt, daß die Füße des Dachträgers die Profile aufgebogen haben. Mitten in Island mussten wir den Dachträger demontieren. Wir entscheiden uns dafür künftig ohne Dachträger zu fahren.

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So sieht unser „Schneggsche“ im Frühsommer 2014 aus. Es gibt immer noch eine beträchtliche Todo-Liste, aber so geht es zunächst mal über Sommer nach Island. Da werden wir sehen, wie gut sich unser Aus- und Umbau bewährt. Und wahrscheinlich werden wir mit noch längerer Todo-Liste zurückkommen…

(Stand: Sommer 2014)